Thanks to a friend of our local StopArmut group I read today’s interview of Mathias Binswanger in the Migros Magazin. As he wrote in the unfortunately nowadays dicredited Weltwoche or claimed in Arena, usually multinational development aid wouldn’t help anything. Such polemic statements make me raging so I wrote (a not much less polemical ;) letter to the magazine:
Guten Abend
Interessiert habe ich im heutigen Migros-Magazin das vierseitige Interview mit Mathias Binswanger zum Thema Entwicklungshilfe gelesen. Ich war jedoch sehr erstaunt, dass nach so vielen polemischen Äusserungen zur Wirkungslosigkeit öffentlicher Entwicklungshilfe keine Gegendarstellung beispielsweise von einem DEZA- oder NGO-Mitarbeiter präsentiert wurde. Aber vielleicht erwartet uns dies ja nächste Woche, zB von Peter Niggli der Alliance Sud! Nötig wäre es sehr, denn im aktuellen Interview sind erneut zahlreiche Irrtümer über multinationale Entwicklungshilfe verbreitet worden. Kurz drei Kommentare:
- Afrika wird immer wieder hinzugezogen um zu zeigen, dass in den letzten 30 Jahren viele öffentliche Entwicklungsmilliarden versandet sind. Vergessen geht dabei meist, dass es sich nur selten um altruistisch motivierte Hilfe gehandelt hat, sondern dass die Zahlungen meist geopolitische Ziele der Geberländer verfolgten. Dadurch konnten Diktaturen am Leben erhalten bleiben (Bspw Mobutu) und vom Überschwenken in den Kommunismus abgehalten werden. Und nicht wie im Text angedeutet hat Südkorea sehr wohl hohe Entwicklungsbeiträge erhalten; von den USA zwischen 1946 und 2000 rund 30 Mrd. Dollar! [1]
- Auf die Äusserung zu multinationaler Hilfe, die bspw im Kampf gegen Aids notwendig ist, geht Herr Binswanger verständlicherweise nicht ein. Wie sonst sollten dringend benötigte Grossprojekte wie auch der Infrastrukturausbau im afrikanischen Energiesektor finanziert werden? Logischerweise gibt bei solchen mutigen Projekten ein kleiner Staat wie die Schweiz etwas an Kontrolle ab. Aber das ist nicht anders als wenn der Bürger Steuern zahlt und darauf hofft, dass der Kanton dafür qualitativ hochstehende Bildung anbietet - beispielsweise über die Fachhochschule Nordwestschweiz, wo Herr Binswanger doziert.
- Daneben leidet das angeblich von einem Akademiker stammende Interview stark an subjektiven Meinungsäusserungen, die ein sehr einfaches Weltbild skizzieren. Einzelinitiativen ja weil personifizierbar und rasche Resultate, multilaterale Hilfe nein weil komplex und intransparent - so einfach funktioniert Entwicklungszusammenarbeit leider nicht. Zudem gehören sich solche pauschalisierende, unbelegte Aussagen wie “So wie die Entwicklungshilfe momentan betrieben wird, ist sie grösstenteils wirkungslos.” nicht für einen seriösen Wissenschaftler - auch wenn er sich sonst nicht mit Entwicklungsökonomie sondern mit Geld- und Glücksforschung auseinandersetzt.
Freundliche Grüsse,
Matthias Stürmer
[1] Quelle: Peter Niggli, Geschäftsleiter Alliance Sud, Einleitung “Leidet Afrika an zuviel Hilfe?”
Update 2007-05-23: The Migros Magazin actually printed most of this letter in its current issue! Unfortunately, they missed the part pointing out the importance of large-scaled development aid projects such as electrification, sanitation, road construction etc.
4 Comments so far
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Sehr guter Text
vielen Dank für deine Bemühungen.
Danke viel mal, Matthias!
Das schlimme am Text von Binswanger finde ich auch, dass er bloss motzt und nichts KONSTRUKTIVES sagt.
ah, und noch ein Kommentar:
Ich finde es so billig und so einfach, die Rolle des “kritischen Geistes” zu spielen, der aufdeckt wie “naiv” wir doch alle sind…
Ich denke: Es wird eine Zeit kommen, wo die “Weisheit” dieser “Klugen” am Ende sein wird - eine Zeit in der die Ersten die Letzten und die Letzten die Ersten sein werden…
Comment by Dominic Roser 05.16.07 @ 0:42hGuten Tag
Auch ich habe den Artikel im Migros Magazin gelesen und fand ihn einseitig. Herrn Binswangers Problem mit der Entwicklungszusammenarbeit ist offensichtlich die Korruption. Andere Probleme konnte ich nicht herauslesen. Auch wenn die Korruption eine Tatsache ist, stellt das für mich noch lange kein Grund, die Entwicklungszusammenarbeit zu verteufeln. In vielen Ländern verschafft sie Linderung.
Für mich ist es auch klar, dass man die Umstände in armen Ländern nicht von heute auf morgen vollkommen ändern kann. Deswegen darf man sich die Ziele nicht zu hoch stecken, um anschliessend nicht zu resignieren.
Ideen, Planung und Organisation sind weiterhin gefragt, um zum Beispiel Korruption verhindern und um Menschen in Not helfen zu können.
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