Rückblick OpenSource@School
Tuesday May 09th 2006, 10:26h
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Am vergangenen Samstag, 6. Mai 2006 luden die Vereine Wilhelm Tux, /ch/open und Squeak Lehrkräfte aus dem Kanton Bern ein, sich über Linux und andere Open Source Software orientieren zu lassen. Das Echo war für die kurze Vorbereitungszeit von eineinhalb Monaten bemerkenswert, über 20 Personen aus verschiedensten Schulen meldeten sich mit grossem Interesse für die Thematik an.

Kurz vor Beginn der Veranstaltung

Einleitung
Tatsächlich war der Raum um 14.00 Uhr auch bis zum letzten Platz besetzt. Mit einer Begrüssung und kurzen Vorstellung der Tätigkeiten der drei Vereine begann der Nachmittag. Theo Schmidt, Vizepräsident Wilhelm Tux, führte mit einem Überblick über die Entstehungsgeschichte und die Grundprinzipien von Freier und Open Source Software ins Thema ein. Anschliessend erläuterte Ronny Standtke, Mitarbeiter bei Secunet SwissIT AG und Linux-Experte im Bereich Schulen, die Möglichkeiten, wie Open Source Programme kombiniert mit offenen Formaten und dem Linux Betriebssystem verschiedene Einsatzmöglichkeiten bieten und bei Bedarf auch in der Verwendung von proprietärer Software und Formaten genutzt werden können. Zum Schluss der Einleitung zeigte Matthias Stürmer, Vorstandsmitglied /ch/open und Doktorand im Bereich Open Source Software an der ETH Zürich, wie Communities dazu kommen, tausende von Open Source Projekte zu betreiben und welches die verschiedenen Motivationsgründe sind, dass dieses internationale Programmierer-Netzwerk derartig viel Zeit in die Entwicklung von freier Software steckt.

Demo Programme und Linux
Im zweiten Teil des Orientierungsnachmittags wurden verschiedenste Open Source Programme und Linux-Distributionen vorgeführt. Zu Beginn wurde das Projekt Open Source CD vorgestellt, welches eine sehr gut dokumentierte und gruppierte Auswahl von 180 freien Windows-Programmen regelmässig in Form eines CD-Abbilds veröffentlicht – ein super Einstieg in die weite Welt von Open Source Software. Danach zeigte Matthias Stürmer kurz, wie er auf seinem Laptop anhand von vier Partitionen sowohl Windows XP als auch Linux installiert hat, welche auf eine gemeinsame Daten-Partition zugreifen. Mit einem Neustart begab sich die Präsentation dann auch sogleich in die zur Zeit populärste Linux-Distribution Ubuntu, welche in der Vorversion der nächsten Ausgabe “Dapper Drake” installiert war. Nach einer kurzen Erklärung, was Linux-Distributionen sind und wie bei Ubuntu alle installierte Software automatisch aktualisiert wird, wurde ein praktischer Einblick in den Linux-Desktop gewährt. Eine kurze Demo verschiedener populärer Anwendungsprogramme wie OpenOffice.org und GIMP rundeten diesen Einstieg schliesslich ab.

Theo Schmidt (mitte) erklärt die Grundprinzipien von Freier Software

Demo Bildungssoftware
Daraufhin ging es weiter mit zahlreichen Vorstellungen von freier Bildungssoftware. Zuerst zeigte Ronny Standtke seine selber erstellte Live-CD für Schulen. Im Rahmen einer Linux-Umstellung einer Privatschule im Kanton Solothurn erstellte er eine Knoppix-Variante mit einer grossen Auswahl von Open Source Schulprogrammen. Besonderes Highlight war GCompris, eine umfangreiche Lernsoftware für Kinder im Alter von 2 bis 10 Jahren. Eine noch umfangreichere und auch für ältere Semester geeignete Software für den Bildungsbereich stellt Squeak dar. Markus Gaelli, Doktorand an der Universität Bern und Squeak-Spezialist, stellte mit ein paar Beispielen dieses mächtige Entwicklungswerkzeug vor und demonstrierte, wie Kinder und Jugendliche selber auf spielerische Weise programmieren lernen können.

Apéro und Gespräche
Nach einigen Fragen aus dem Plenum konnten wir mit nur einer halben Stunde Verzug das Apéro eröffnen. Dies ermöglichte den Kontakt zwischen den Organisatoren und den Besuchenden was schnell zu interessanten Gesprächen über den bisherigen und zukünftigen Einsatz von Open Source Software in ihrem Schulen führte. Wegen der fortgeschrittenen Zeit blieb für die Workshops leider nicht mehr viel Raum, aber einige der Teilnehmenden blieben dennoch bis 18 Uhr und liessen sich z.B. die Installation eines Linux-Desktop anhand von Ubuntu oder die Verwendung von Squeak im Detail erklären.

Der Bücher-Tisch bietet einen breiten Überblick über die Open Source-Literatur

Feedback
Zusammenfassend kann der Anlass aufgrund der ausgefüllten Feedback-Blätter wohl als „erfolgreich“ eingestuft werden. Die 13 abgegebenen Bewertungen beurteilen, dass – mit einer Ausnahme „durchschnittlich“ – die Erwartungen an den Anlass „gut“ bis „sehr gut“ erfüllt wurden. Besonders gefallen hat den Teilnehmenden der Einstieg in die Welt von Linux: „Geschichtliches“, „Idee Open Source überhaupt“, „Ubuntu“, „Partitionierung und Installation von Linux“ und „Linux Desktop“. Auch kamen generell die Live-Demos, der Überblick über die Open Source Programm-Palette und Squeak als Lernsoftware an. Kritisiert wurden primär die Zeitplanung („weniger ist mehr“) und der Ablauf („bessere Vorbereitung“). Erfreulich ist vor allem, dass bei der Frage „Würden Sie einen fortführenden Anlass zum Thema Open Source Software und Linux besuchen?“ alle entweder mit „Ja“ oder „Eventuell“ angekreuzt haben. Und die meisten würden sogar an einer offiziellen Weiterbildung in diesem Bereich teilnehmen. Fazit also: das Interesse der anwesenden Lehrkräfte, noch mehr über Open Source Software zu erfahren, ist gross – und konnte auch nicht durch den zuweilen etwas spontan abgelaufenen Orientierungsnachmittag verkleinert werden ;)

Danksagungen
Zum Schluss noch herzlichen Dank an den Veranstaltungs-Sponsor Puzzle ITC, an Thalia.ch für die Ausleihe der Open Source-Literatur und die Software Composition Group der Universität Bern für die Zurverfügungstellung des Raumes.

Matthias Stürmer, 9. Mai 2006


2 Comments so far
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Hallo,

Anlass war in der Tat bereichend. Eine Mailliste oder so wäre klasse, so würde ev. eine Community entstehen.

Mit freudlichem Gruss
Günther Pomarolli

Comment by Günther Pomarolli 05.09.06 @ 21:53h

Für mich als GNU/FOSS-Neuling war der Anlass eine echte Horizonterweiterung. Bin mitlerweile auf Firefox-Browser umgestiegen, fleissig am virtuelle Sterne beobachten und hab meine ersten Schritte in die Squeak-Welt gewagt. Ich komme gerne ein nächstes Mal wieder.

Gruss, Steff Hess

Comment by Steff Hesss 05.10.06 @ 22:00h



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