Warum künftig alle Kinder programmieren lernen werden

Beitrag für die neue EVP Info Stadt Bern Ausgabe

Der Apfel fällt wohl tatsächlich nicht weit vom Stamm: Seit drei Jahren programmiert unser Lionel (bald 12) regelmässig mit Scratch, einer visuellen Programmiersprache, die seit über zehn Jahren am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt wird. Mit Scratch können Spiele, Geschichten, Simulationen und viele weitere Programme geschrieben werden. So erlernen Kinder und Jugendliche spielerisch Algorithmen und die Kommunikation mit dem Computer – denn Programmiersprachen sind vergleichbar mit menschlichen Sprachen.

Aber wäre es nicht besser, wenn Kinder eher weniger Zeit am Bildschirm verbringen würden? Zudem können ja nicht alle Informatiker werden, auch noch andere Berufe werden gebraucht. Das stimmt natürlich, aber es sagt ja auch niemand, dass alle ein Leben lang nur noch programmieren sollen. Es befürchtet doch auch niemand, dass alle Kinder z.B. Schriftsteller werden müssten, nur weil in der Schule Schreiben unterrichtet wird.

Der Lehrplan 21, der diesen Sommer im Kanton Bern in Kraft tritt, gibt eine sinnvolle Richtung vor: Zur Vorbereitung auf die fortschreitende Digitalisierung unserer Gesellschaft sollen in der Schule neben Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen auch erste Programmierfähigkeiten vermittelt werden. Dadurch erschliesst sich den Kindern das kreative Potential der Informatik, sie können in der digitalen Welt mitreden und haben grössere Chancen bei der Stellensuche.

Andererseits erfahren sie auch die Grenzen und Risiken dieser Technologien. Denn Computer-Anwender müssen sich bewusst sein, dass es z.B. keine «Cloud» gibt, die magisch Daten speichert, sondern dass persönliche Fotos, Emails oder Gesundheitsdaten irgendwo auf Servern von Apple, Google etc. gespeichert sind. Erst wenn ein technisches Grundverständnis vorhanden ist, kann die Bedeutung von Datensicherheit und Privatsphäre verstanden werden. Und nur wer erkennt, wie komplex und anspruchsvoll Software-Entwicklung ist, wird einsehen, warum es immer Programmierfehler und Sicherheitslücken geben kann.

Diese Erkenntnis darf nicht nur Söhnen von Uni-Dozenten vorbehalten bleiben: Alle Kinder brauchen Informatikkompetenzen! Der Lehrplan dazu steht, aber noch fehlt vielerorts die nötige Infrastruktur. Die kommende WLAN-Erneuerung und die Computer-Beschaffung base4kids 2 der Stadtberner Schulen sind darum wichtige Schritte. Auch wenn sie wohl einen hohen Millionenbetrag erfordern werden, dürfte dies eine gut investierte Ausgabe für unsere digitale Zukunft sein.

Am 27. Januar 2018 geben Lionel und ich zum zweiten Mal einen Scratch Einführungskurs. Programm, Voraussetzungen und alle weiteren Infos auf der Website des tcbe.ch ICT Cluster Bern.

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