Meine letzten Worte (im Berner Stadtrat)

Das war sie also, meine letzte Stadtratssitzung! Hier noch meine Abschiedsrede, die heute im Berner Stadtrat verlesen wurde:

Liebe Ratskolleginnen und Ratskollegen, liebe Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, liebe Gäste

Nun ist es soweit, ich bin dran mit dem Rücktritt und mit meinen (fast) letzten Worten:

Es war mir eine Ehre, die letzten acht Jahre als EVP-Stadtrat im Bernischen Stadtparlament innerhalb der GFL/EVP-Fraktion ‘rumgestürmt’ zu haben. In dieser Zeit habe ich enorm viel gelernt, wie Politik funktioniert, wie man Vorstösse und Anträge erstellt und Erfolg damit hat, aber auch wie man sich für ein Anliegen engagiert und am Schluss die Abstimmung verliert. Fast wie beim Sport, man lernt auch in der Politik innerhalb kurzer Momente gewinnen und verlieren – obwohl wir beim Fussball ja momentan nur Siegen ;)

Aber wie der Profisport braucht auch Politik viel Zeit: für Ratssitzungen, Kommissionssitzungen, Fraktionssitzungen, Parteisitzungen, Sitzungen vorbereiten, Reden schreiben, Wahlkampf usw. Da ich momentan an der Uni Bern ein Team mit 20 Leuten führen darf und dennoch ab und zu mal zu Hause meine Familie sehen möchte, habe ich mich entschieden, vorerst eine Politik-Pause einzuschalten.

Rückblickend bin ich sehr dankbar für die spannende Zeit im Berner Stadtrat. Nirgends sonst habe ich so viele spannende und unterschiedliche Menschen kennengelernt wie hier im Berner Parlament! Auch wenn wir logisch nicht immer der gleichen Meinung sind, finde ich doch, dass jede und jeder mit einem guten Grund hier drin sitzt: Weil wir uns für das Wohl unserer Stadt engagieren wollen, weil wir nicht bloss meckern über das was nicht läuft, sondern weil wir uns Zeit nehmen Lösungen zu finden und Kompromisse zu schliessen.

Neben den ganzen politischen Geschäften hat es mich aber auch immer wieder fasziniert, auf Stadtratsausflügen, Besichtigungen oder Cüpli-Events viele Stadtratsmitglieder von der persönlichen Seite kennenzulernen. Es sind echte Freundschaften entstanden mit Menschen, mit denen ich auch gerne mal in der Freizeit zusammen bin.

An einen tragischen, aber umso berührenderen Moment erinnere ich mich immer wieder: Als meine Schwester vor 5 Jahren bei einer Lawine starb. Ich erhielt von zahlreichen Ratskolleginnen und -kollegen, von der eigenen Fraktion und auch von anderen Fraktionen sehr ermutigende Beileidsschreiben. Das hat mir viel bedeutet und bleibt mir in Erinnerung.

Zum Schluss wünsche ich euch drei Dinge: Erstens, dass ihr respektvoll miteinander umgeht und einander wertschätzt, auch wenn der oder die andere wiedermal überhaupt nicht kapiert um was es bei eurem doch so wichtigen Anliegen geht. Zweitens, dass ihr euch fokussieren könnt auf die wirklich wichtigen Geschäfte und Diskussionen und dazu vielleicht auch mal auf einen Vorstoss oder ein Votum verzichtet (meine drei heute einzureichenden Motionen sind zum Beispiel enorm wichtig…). Und Drittens, dass ihr bei den städtischen Informatikgeschäften weiterhin ein Auge auf die Abhängigkeiten von IT-Firmen habt und dabei an die Lösung – was wohl?? – «Open Source» denkt! ;)

Ernsthaft: Falls mal wieder Fragen oder Probleme zu einem Digitalisierungsthema auftauchen (beispielsweise Schulinformatik…) oder jemand eine kritisch-konstruktive Beurteilung eines Informatikvorhabens möchte, stehe ich allen gerne jederzeit zur Verfügung. Und natürlich freut es mich auch sonst, euch bald wiedermal an einem Event, in der Beiz oder sonst irgendwo zu sehen – man trifft sich ja bekanntlicherweise mindestens zweimal im Leben!

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