Sie betrifft uns alle: Digitale Transformation

tcbe.ch Focus 2016 Editorial von Matthias StürmerEditorial tcbe.ch FOCUS 2016

Vielleicht haben auch Sie während der Sommermonate den digitalen Graben beim Casinoplatz beobachtet: Während die einen nichtsahnend gemütlich flanierend durch die Berner Altstadt bummelten, drückten andere am gleichen Ort nervös auf ihren Smartphones rum und versuchten virtuelle Pokémons zu fangen. Dieses Game, das die Realität durch digitale Spielfiguren erweitert, lässt seit einigen Wochen Jung und Alt spielerisch die Stadt Bern erkunden.

Augmented Reality wird bei Pokémon GO als lustige Unterhaltung angewendet, ist aber gleichzeitig auch eine wegweisende Technologie für die heutige Industrie. Mit Augmented Reality lassen sich beispielsweise E-Learning Anwendungen realisieren, mit denen die Bedienung und Wartung komplexer Maschinen deutlich einfacher wird.

Digitalisierung findet auch im Gesundheitswesen statt, sei es in der Medizininformatik oder bei der Verwaltung von Arztpraxen und Kliniken. Spannende Projekte wie jenes der Berner Fachhochschule zum „Spital der Zukunft“ werden in der aktuellen Ausgabe des tcbe.ch FOCUS beschrieben. Grosse Veränderungen stehen ebenfalls bei der öffentlichen Verwaltung und im Bildungssektor an. Solche neuen digitalen Möglichkeiten lassen Städte und Gemeinden stetig „smarter“ werden, wie der Beitrag in der aktuellen FOCUS-Ausgabe über Smart Cities zeigt.

Auch beim tcbe.ch hat es einige Veränderungen gegeben. Anfang dieses Jahres ist der bisherige Präsident Dr. Christoph Zimmerli nach 5 Jahren zurückgetreten, bekleidet aber weiterhin im Vorstand als Kassier ein wichtiges Amt. Seit der Hauptversammlung im Februar 2016 darf ich als Präsident dem tcbe.ch vorstehen. Ich habe diese Aufgabe gerne angenommen, da es mir neben meiner Tätigkeit am Institut für Wirtschaftsinformatik an der Universität Bern sowie als Berner Stadtrat ein wichtiges Anliegen ist, die regionale ICT-Branche und auch generell die Digitalisierung in Wirtschaft, Verwaltung und Bildung zu fördern.

An Aktivitäten beim tcbe.ch mangelt es nicht: Zahlreiche Anlässe werden noch dieses Jahr stattfinden oder sind für das nächste bereits geplant, wie die Veranstaltungen 2016/2017 aufzeigen. Dort stehen aktuelle Themen wie Cyber Security, Open Source Software, Sharing Economy und Bitcoin/Blockchain auf der Agenda.

Auch auf strategischer Ebene wollen wir uns als tcbe.ch weiterentwickeln. So sollen erstens unsere Tätigkeiten noch stärker das Networking im Fokus haben, denn in der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, die richtigen Personen zu kennen – und umgekehrt ihnen bekannt zu sein! Zweitens soll der Informationsaustausch und Wissenstransfer rund um ICT ermöglichen, dass neue Trends und Technologien frühzeitig verstanden und Chancen erkannt werden. Und drittens wollen wir uns regional einen klar definierten Perimeter vorgeben, in dem wir unsere Aktivitäten durchführen.

Weil Digitalisierung nicht an den Berner Kantonsgrenzen aufhört und wir gleichzeitig mit dem Chapter Solothurn erste äusserst positive Erfahrungen machen durften, hat der Vorstand beschlossen, dass der tcbe.ch künftig die gesamte Hauptstadtregion Bern, Fribourg, Neuenburg, Solothurn und Wallis abdecken wird. In den nächsten Monaten werden wir deshalb beginnen, Kontakte zu ICT-Unternehmen in Thun, Biel und Brig zu knüpfen und mit bestehenden regionalen ICT-Verbänden zu kooperieren, um weitere tcbe.ch-Chapters anstossen zu können. Selbstverständlich ist dabei auch Eigeninitiative von Firmen, die sich im tcbe.ch engagieren wollen, sehr willkommen. Eine erste Zwischenbilanz dieser neuen Strategie werden wir an der kommenden Generalversammlung am 21. Februar 2017 ziehen.

Nun wünschen wir Ihnen eine informative und unterhaltsame Lektüre des neuen tcbe.ch FOCUS – momentan noch ohne farbige Pokémons, dafür ganz traditionell analog auf Papier!

Dr. Matthias Stürmer, Präsident tcbe.ch – ICT Cluster Bern, Switzerland

Mein Nationalrats-Wahlkampf 2015: Plakate, Smartvote, Medien und Finanzen

Matthias Stürmer in den NationalratDie Spatzen pfeifen es von den Plakatwänden: Wiedermal ist Wahlherbst und meines sowie viele andere Gesichter lachen auf den Strassen, in den Briefkästen und im Internet den Wahlberechtigten entgegen. Auch wenn es eine etwas anstrengende Zeit ist, machen so Wahlkampagnen neben den inhaltlich interessanten Erfahrungen und spannenden Begegnungen auch ziemlich Spass.

Am meisten Schmunzeln habe ich bis jetzt für mein/unser Telebärn Bewerbungs-Video erhalten. Auf den Familien-Veloferien von Basel nach Mannheim habe ich plötzlich erfahren, dass man ein Wählt-mich-Handy-Clip an Telebärn schicken solle. Da glücklicherweise auch meine vielseitig begabte Schwägerin Regi Müller mit auf der Tour war und ständig singend für gute Stimmung sorgte, dichteten wir spontan einen eigenen kurzen Wahlsong – nicht wissend, dass unsere tolle Idee schon bald von anderen kopiert würde ;)

Hier kann jeden Tag von neuem bis am 28. August 2015 für mein Wahlvideo gestimmt werden. Die Kandidierenden der Clips, die es unter die Top 20 schaffen, dürfen an einen halbstündigen Wahltalk ins Telebärn-Studio. Darum bitte hier für mein Video stimmen! (vorher jeweils noch “Ich bin kein Roboter” ankreuzen)

Daneben gibt es natürlich auch die seriösen Wahlplattformen wie Smartvote, wo mein Profil aufgeschaltet ist und meine politischen Positionen noch etwas differenzierter dargestellt sind:

Und so kündigt mich meine Partei, die EVP Kanton Bern, als Spitzenkandidat an:

Insgesamt sind wir 5 Spitzenkandierende auf der EVP Hauptliste: Unsere nationale Parteipräsidentin Marianne Streiff, die Kantonalpräsidentin Christine Schnegg, der aktuelle Grossratspräsident Marc Jost, der Grossrat und Unternehmer Markus Wenger sowie meine Wenigkeit.

Medienpräsenz gehört auch dazu, darum wagte ich mich im Juli an das herausfordernde Thema der gleichgeschlechtlichen Ehe und Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare mit einem Interview im Tagesanzeiger Online:

Auf Facebook entstand – entgegen meiner Befürchtung – eine durchaus konstruktive Diskussion mit Befürwortern und Kritikern meiner Meinung:

Meine Meinung zum kontroversen Video der amerikanischen Katholiken, gleichgeschlechtliche Ehe und Adoption in der Schweiz. Hoffe auf eine faire Diskussion, selbst auf Facebook!

Posted by Matthias Stürmer on Montag, 27. Juli 2015

 

Oder gerade heute ist wiedermal mein Kernthema in der Berner Zeitung, weil die Stadt Bern zig Millionen für neue Microsoft-Computer ausgeben will:

Mein Engagement für Open Source Software in der Stadt Bern war der ursprüngliche Auslöser, weshalb ich mich vor rund 10 Jahren überhaupt für Stadtpolitik und die EVP begonnen hatte zu interessieren – offenbar brauchts noch etwas Arbeit…

Last but not least spielen auch Finanzen bei so einem Wahlkampf immer eine wichtige Rolle. Weil es leider keine verbindliche Regelung bezüglich Transparenz der Wahlfinanzierung gibt, habe ich selber eine für mich festgelegt: Nachfolgend führe ich fortlaufend alle zugesagten Spenden für meinen diesjährigen Wahlkampf auf. Diejenigen von 1000 Franken und mehr weise ich namentlich aus, diejenigen unter 1000 Franken sind nicht namentlich aufgeführt (aktualisiert 03.10.2015):

04.08.15 Ehepaar 100 CHF
04.08.15 Einzelperson 100 CHF
06.08.15 Ehepaar 200 CHF
06.08.15 Ehepaar 200 CHF
06.08.15 Ehepaar 30 CHF
08.08.15 Einzelperson 100 CHF
09.08.15 Ehepaar 200 CHF
10.08.15 Ehepaar 500 CHF
12.08.15 Ehepaar 200 CHF
13.08.15 Ehepaar 500 CHF
14.08.15 Ehepaar 100 CHF
14.08.15 Ehepaar 100 CHF
15.08.15 Einzelperson 200 CHF
15.08.15 Ehepaar 500 CHF
16.08.15 Ehepaar 100 CHF
17.08.15 Ehepaar 200 CHF
17.08.15 Ehepaar 200 CHF
18.08.15 Ehepaar 100 CHF
18.08.15 Ehepaar 200 CHF
19.08.15 Ehepaar 30 CHF
19.08.15 Ehepaar 500 CHF
20.08.15 Ehepaar 240 CHF
22.08.15 Ehepaar 300 CHF
08.09.15 Ehepaar 200 CHF
03.10.15 Ehepaar 250 CHF
03.10.15 Ehepaar 100 CHF
03.10.15 Ehepaar 100 CHF
03.08.15 Ehepaar 50 CHF
03.10.15 Total 5600 CHF

Zu den Spenden werde ich nochmal den selben Betrag von unserem Familienkonto für meinen Wahlkampf ausgeben. Damit werde ich Wahlkarten-Verteilaktionen, den Bedruck meines Twizys, APG-Plakate, Wahlinserate in Zeitungen und Social Media Werbung finanzieren.

Wer gerne meine Wahlaktivitäten unterstützen möchte, kann gerne an folgendes Konto eine Spende einzahlen (und mir kurz ein Email zur Information schicken) – vielen herzlichen Dank im Voraus!

Postkonto EVP Stadt Bern: 30-2067-3
IBAN: CH64 0900 0000 3000 2067 3
Vermerk “Matthias Stürmer”

Spenden an politische Parteien können bis zu mehreren Tausend Franken vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden (siehe bspw. Regelung im Kanton Bern). Anfang Jahr verschickt die EVP deshalb entsprechende Spendenbestätigungen.

SIK Jubiläumsveranstaltung: Positive und kritische Worte zur Informatik der Stadt Bern

40 Jahre Schweizerische Informatikkonferenz, Erlacherhof, 25. Juni 2015

Vor einer Woche hatte ich die Möglichkeit, kurzfristig für Stadtpräsident Alexander Tschäppät bzw. Gemeinderat Reto Nause fürs Grusswort im Erlacherhof an der 40-Jahre Feier der Schweizerischen Informatikkonferenz SIK zu reden. Ich nutzte die Gelegenheit um ein paar positive wie auch kritische Worte über die Informatik der Stadt Bern zu teilen:

Schweizerische Informatikkonferenz (SIK), Feier zum 40-Jahr-Jubiläum,

Donnerstag, 25. Juni 2015, 19 Uhr, Erlacherhof, Bern

Sehr geehrter Herr Regierungsrat
Geschätzte Damen und Herren

Ich begrüsse Sie herzlich im Garten des Erlacherhofs, dem offiziellen Regierungssitz der Stadt Bern. Es freut mich, dass wir als Stadt Bern Gastgeber für die SIK Jubiläumsveranstaltung sein dürfen.

Ich überbringe Ihnen auch gerne den Gruss von Gemeinderat Reto Nause, der sich aufgrund eines kurzfristigen Spitalaufenthalts für heute Abend leider entschuldigen lassen muss.

Selber bin ich zwar kein Gemeinderat, aber immerhin Mitglied des Stadtberner Parlaments. Dafür bin ich von der passenden Partei, der EVP, was ja neuerdings Elektronische Volkspartei heisst.

Ich nehme an, Sie haben die Besichtigung der Berner Altstadt bzw. des Bundeshauses genossen. Die Altstadt, die ja zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, und das Bundeshaus sind zugleich auch die beiden bekanntesten Aushängeschilder der Stadt. Nun sind wir hier im historischen Erlacherhof. Dies ist der wöchentliche Tagungsort des Gemeinderats der Stadt Bern (Exekutive), Sitz des Stadtpräsidenten, der Präsidialdirektion und der Stadtkanzlei. Der Erlacherhof ist geschichtlich und architektonisch das bedeutendste private Bauwerk der Stadt. Gebaut wurde der Stadtpalast im 18. Jahrhundert – also zu Zeiten des Ancien Régime. Damals herrschten in der Stadt Bern die Patrizier.

Anders als das geplante Grusswort des Berner Gemeindesrats möchte ich jetzt die Geschichte von Bern nicht vertiefen und auch nichts über die steigenden Einwohnerzahlen, das sinkende Durchschnittsalter, die beliebtesten Vornamen oder etwa über die Anzahl Kühe, Schweine und Hühner der Stadt Bern sagen.

Sondern, da ich mich als Stadtrat und auch als Forscher und Dozent am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern mit Informatik und Digitalisierung beschäftige, nehme ich die Gelegenheit wahr, ein paar Informationen und Gedanken zur IT der Stadt Bern zu teilen. Diese sind möglicherweise auch für andere öffentliche Informatikstellen interessant und relevant.

Ich mache es ganz einfach: Was finde ich positiv, wo habe ich meine Bedenken. Begrüssenswert sind folgende Punkte:

  • Wie viele von Ihnen wissen, bin ich grosser Befürworter von Open Source Software bei Behörden. Von dem her freut es mich sehr, dass die offizielle Informatikstrategie der Stadt Bern den verstärkten Einsatz von Open Source als eine der 5 Zielsetzungen vorsieht und auch tatsächlich umsetzt. Immer mehr IT-Projekte beziehen Open Source Software mit ein, momentan sind es bereits über 20 der rund 60 laufenden IT-Projekte.
  • Zwar nicht mehr neu, dafür seit über 10 Jahren im Einsatz ist die heutige Website der Stadt Bern. Ein Content Management System, das so lange im Einsatz steht, kann schon als digital nachhaltig bezeichnet werden – umso mehr, weil es für den Relaunch nicht komplett neu gebaut werden muss sondern Dank dem Open Source Prinzip bloss ein Update kriegt.
  • Ein positives Beispiel finde ich auch die neue BernBox, eine Art Dropbox für alle 2500 Mitarbeitende. Diese wurde mit internen Ressourcen vollständig auf Open Source Komponenten aufgebaut und ist seit Februar 2015 im produktiven Einsatz. Dabei wird unter anderem OwnCloud, MariaDB und Elasticsearch eingesetzt. Ein sehr innovativer Ansatz, der hoffentlich bald auch in anderen Behörden Anwendung findet.
  • Und sehr mutig finde ich die Initiative der Stadt Bern, sich mit den Städten Zürich und Basel zusammenzuschliessen und gemeinsam die Beschaffung der neuen Fallführungslösung im Sozialwesen vorzunehmen. Im neu gegründeten Verein CitySoftNet wird erstmals eine wichtige Fachanwendung gemeinsam mit anderen Behörden beschafft – ein verständlicherweise nicht einfacher dafür umso sinnvollerer Weg.

Nach so viel Lob noch zwei negative Punkte:

  • Ich finde es sehr schade, dass man es in der Stadt Bern vor drei Jahren verpasst hat, einen sinnvollen Standort der Server-Infrastruktur zu wählen. Anstelle sich bei einem der zahlreichen und hochprofessionellen Housing-Anbietern im Raum Bern einzumieten, hat die Stadt Bern beschlossen, für zig Millionen ein eigenes, neues Rechenzentrum zu bauen. Im Vergleich zum Bedag-RZ oder dem neuen Swisscom-RZ im Wankdorf ist das in Bern bloss ein Rechenzimmer, kein Zentrum. Dieses Geld hätte man anstelle von Dieselgeneratoren und Klimaanlagen besser in IT-Fachleute oder die dringenden E-Government Projekte investiert.
  • Auch kritisch sehe ich die anhaltende Abhängigkeit der Stadtinformatik von den einschlägigen IT-Anbietern, die sich fortlaufend über freihändige Vergaben für ihre proprietären Produkte freuen dürfen. Alleine in der Stadt Bern zahlen wir jährlich mehrere Millionen für Software-Lizenzen. Die Preise werden von den Herstellern diktiert. Diese Abhängigkeiten sollten systematisch reduziert werden indem Open Source Alternativen gefördert werden.

Meine These ist: Wenn die öffentliche Hand GEMEINSAM nur einen Bruchteil vom Geld, das sie den IT-Herstellern jährlich an Lizenzpreisen bezahlt, in den Aufbau einer Open Source Büroautomatisation stecken würde, hätte man innerhalb kurzer Zeit einen modernen und kostenlos skalierbaren Workplace bereit. Wie Balthasar Glättli heute Nachmittag ausgeführt hat, ist dies sehr im Sinne der digitalen Nachhaltigkeit der öffentlichen Informatik. Die SIK könnte da eine entscheidende Führungs- und Koordinations-Rolle übernehmen, was ich für nächsten Jahre als sehr wichtig empfinde. Nur so können wir als kleine Schweiz den gigantischen Firmen die Stirn bieten.

Nun aber genug der Worte zu Stadtinformatik und Open Source. Gemäss Regieanweisung hätte ich diesen Begriff sowieso nur maximal 2x erwähnen dürfen! Ich schliesse hiermit und sage: Prost beim Apéro – lang und digital nachhaltig lebe die SIK!

40 Jahre Schweizerische Informatikkonferenz, Erlacherhof, 25. Juni 2015

EVP: das ist (auch) die *elektronische* Volkspartei!

Natürlich heisst meine Partei EVP nicht “elektronische Volkspartei”, sondern “evangelische Volkspartei”. Aber immerhin konnte ich in den letzten Jahren intern wie auch extern einige Digital-Themen in der Politik platzieren. Jüngstes Beispiel ist der Vorstoss zu mehr Open Source Software an Berner Schulen, der im obigen Berner Zeitung Artikel (siehe auch PDF) portraitiert ist. Aufgrund meiner Tätigkeit als Geschäftsleiter der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit wurde ich im vergangenen EVP Akzente zum nachhaltigen Umgang mit ICT interviewt:


Besonders gefreut hat mich, dass die EVP in ihrem neuen Parteiprogramm gleich zwei meiner digitalen Kernforderungen übernommen hat (siehe S. 59):

  • Das Öffentlichkeitsprinzip* konsequent durchsetzen. Wir unterstützen Initiativen für frei zugängliche Verwaltungsdaten (Open Government Data).
  • In der Verwaltung quelloffene Software (Open Source*) gegenüber proprietärer Software bevorzugen. Intern entwickelte Software ist unter einer Open-Source-Lizenz zu veröffentlichen. [...]

Glossar

Öffentlichkeitsprinzip: Prinzip, wonach jedermann Anspruch auf Zugang zu amtlichen Dokumenten hat, sofern nicht überwiegende öffentliche der private Interessen einer Veröffentlichung entgegenstehen.
Open Source: Quelloffene Computerprogramme, die kostenlos genutzt werden dürfen

Mitschreiben an der digitalen Welt

Wer Computerprogramme schreiben kann, gestaltet die digitale Welt mit – alle anderen sind abhängige Konsumenten. Deshalb sollten am besten schon Kinder die Kulturtechnik des Programmierens lernen. Entscheidend ist ausserdem, dass wir überhaupt mitschreiben dürfen – dafür setzen sich die verschiedenen «Open»-Bewegungen ein.

Beitrag von Matthias Stürmer im UniPress 162/2014

Was ist eine Programmiersprache? Eigentlich nichts anderes als eine Schrift, mit der Menschen mit Maschinen kommunizieren können. Wie bei den menschlichen Sprachen gibt es auch viele verschiedene Programmiersprachen: alte und neue, einfache und schwierig zu erlernende, weit verbreitete und sehr selten verwendete Programmiersprachen. Das von Menschen geschriebene Programm ist der Quelltext, auch Source Code genannt. Für die Ausführung auf dem Computer wird dieser mit einem sogenannten Compiler in Maschinensprache übersetzt, die letztlich die binären Datenketten von 0 und 1 ergeben und von den Mikroprozessoren der Rechner als Software verarbeitet werden können.

Bisher waren es meist ausgebildete Informatiker und clevere Quereinsteiger, die sich beruflich oder in der Freizeit mit Software-Programmierung beschäftigt haben. Heute gibt es mit Code.org, Codeacademy.com oder Codeschool.com immer mehr Internetplattformen, mit denen auch Laien und gar Kinder selbständig programmieren lernen können. Und das macht Sinn, denn im digitalen Zeitalter sollte neben Lesen und Schreiben von herkömmlicher Schrift die Beherrschung der Mensch-Maschinen-Kommunikation – also «Programmieren» – den gleichen Stellenwert erhalten. Software ist heute so wichtig und allgegenwärtig, dass Programmieren als Kulturtechnik gelten muss. Damit werden aus Konsumenten und Zuhörerinnen der digitalen Welt Menschen, die mitschreiben und mitgestalten können – am besten ab dem Grundschulalter.

Auf freie Forschung programmiert

Aber nicht nur Kinder sollen Programmieren lernen, auch für angehende Forschende ist das Beherrschen von Programmiersprachen wichtig. In vielen Disziplinen der Naturwissenschaft wie in der Physik oder der Chemie besteht heute ein wichtiger Teil der Arbeit aus Programmieren – dem Computer Anweisungen und Regeln vorgeben, wie er Daten auszuwerten und darzustellen hat. Wohl für sämtliche Fachrichtungen ist die Visualisierung von Informationen von grossem Nutzen, seien es Statistiken, geografische Darstellungen oder dreidimensionale Abbildungen. Deshalb stehen die Vorlesungen und Seminare am Institut für Wirtschaftsinformatik rund um Datenvisualisierung und Open Data allen Studierenden offen. Dort wird unterrichtet, wie ohne Programmier-Vorkenntnisse mittels moderner Web-Technologien neue Anwendungen entwickelt werden können. Unter den rund 60 Teilnehmenden der ersten Durchführung im vergangenen Frühlingssemester fanden sich neben Betriebswirtschafts- und Informatikstudierenden auch Politologinnen, Psychologen und Sportwissenschaftlerinnen. Die resultierenden 29 Anwendungen, so genannte «Open Data Apps», sind frei zugänglich und wurden in mehreren Online-Publikationen porträtiert.

Verwendet wird in der erwähnten Lehrveranstaltung ausschliesslich Open Source Software, denn diese ist kostenlos und vollständig offen als Internet-Download zugänglich. Die Lernenden müssen keine Lizenzen kaufen, denn Open Source Software ist stets lizenzkostenfrei. Damit werden die Informatikausgaben gesenkt und gleichzeitig wird die Chancengleichheit in der Bildung verbessert. Andererseits ermöglicht diese quelloffene Software, dass der Quelltext uneingeschränkt gelesen, genutzt, verändert und weiterverbreitet werden darf. Software unter einer Open Source Lizenz wird damit zu einem öffentlichen Gut, von dem alle profitieren und zu dem alle beitragen können. Die Offenheit des Quelltextes erlaubt es ausserdem, die Funktionsweise der Programme bis ins letzte Detail zu verstehen und bei Bedarf auch zu erweitern – ein Vorteil aus pädagogischer Sicht, da Neugierde und Verständnis gefördert werden.

Software-Firmen schaffen teure Abhängigkeiten

Was aber, wenn der Quellcode nicht bearbeitet werden kann oder darf? Dann spricht man von proprietärer Software, also Programmen, die Eigentum einer bestimmten Firma sind. Microsoft Word, Adobe Photoshop, Apple-Programme und viele andere gängige Anwendungen sind Beispiele für proprietäre Software. Mit grossen Marketing- und Verkaufsbudgets, weit höher als die eigentlichen Entwicklungsausgaben, machen diese Unternehmen ihre Software-Produkte schmackhaft. Die fehlende Werbung für Open Source Software führt dann dazu, dass in vielen Fällen Schulen, Universitäten, Behörden und Private proprietäre Produkte kaufen, obwohl quelloffene Alternativen oftmals ebenso leistungsfähig sind. Mit diesem Vorgehen entstehen für die Käufer nicht nur kurzfristig hohe Ausgaben für Lizenzen, sondern die Organisationen binden sich auch immer stärker an die Software-Hersteller. Von dieser Abhängigkeit wiederum profitieren die Unternehmen und können weitere Produkte verkaufen und ihre Preispolitik fast beliebig verändern. Es ist somit kein Zufall, dass öffentliche Institutionen bei Informatikbeschaffungen die Aufträge vielfach ohne Ausschreibung freihändig an Firmen vergeben mit der Begründung, dass kein anderes Unternehmen die entsprechende proprietäre Lösung liefern könne.

Im Grunde haben wir damit eine Situation wie in vielen Entwicklungsländern, in denen die Menschen, die nicht lesen und schreiben können, abhängig sind von Schreibern, die mit ihrem geheimen Wissen und Können die schriftliche Kommunikation dominieren. Die Konsequenz für uns ist, dass durch die Fähigkeit, Computerprogramme zu schreiben und nicht bloss Knöpfe zu drücken, die digitalen Kompetenzen der Bevölkerung und damit ihre Macht im Umgang mit diesen Technologien wachsen.

Wir brauchen digitale Nachhaltigkeit

Entscheidend ist neben dem Können aber auch das Dürfen, und dazu braucht es die juristische Freiheit, welche Open Source Software und mit ihr die Vielzahl weiterer «Open»-Bewegungen schaffen. Open Source war in den 90er Jahren nämlich nur der Anfang: So werden heute beispielsweise die Millionen Seiten der Wikipedia von der breiten Öffentlichkeit erstellt und aktualisiert, ohne dass eine einzelne Firma oder Person die Kontrolle darüber hat. Mit Creative Commons Lizenzen für Texte, Bilder, Musik und Filme werden dieselben Möglichkeiten für den Umgang mit Inhalten geschaffen wie mit den Open Source Lizenzen bei der Entwicklung von Software. Und das Open Data-Prinzip macht öffentlich finanzierte Behördendaten und andere Informationen, sofern sie nicht den Datenschutz verletzen oder sicherheitsrelevant sind, frei zugänglich.

Diese und weitere Arbeitsweisen werden als Umsetzungen des Konzepts der «digitalen Nachhaltigkeit» verstanden. Die Brundtland Kommission hat 1987 den Begriff «nachhaltige Entwicklung» definiert: Nachhaltig ist eine Entwicklung, «die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.»

Diese Überlegungen zur nachhaltigen Entwicklung in der physischen Welt können auch in den digitalen Kontext übertragen werden. Allerdings erfordern die unterschiedlichen Eigenschaften dieser zwei Welten ein Umdenken. Während der Gebrauch von physischen Ressourcen stets rivalisierend ist und zu Abnutzung und letztendlich zu Verbrauch führt, verursacht die Nutzung von digitalen Gütern keine Verringerung. Wie das Beispiel der proprietären Software zeigt, können jedoch auch bei digitalen Ressourcen Nutzer ausgeschlossen werden. Gleiches gilt bei Inhalten wie Musikstücken, deren Abspielen beispielsweise mittels digitaler Rechteverwaltung (englisch Digital Rights Management oder kurz DRM) nur begrenzt möglich ist. Bei geschlossenen Datenformaten verhält es sich ähnlich: Zwar könnten die Informationen beliebig oft genutzt, verändert und vervielfältigt werden, jedoch ist deren Struktur mittels geheimgehaltener Codierung nicht zugänglich, ohne dass man dafür teure Programme kauft. Digitale Nachhaltigkeit bedeutet somit freien Zugang zu den Daten (Open Data), zur Datenspezifikation (Open Standards), zur Methode, um die Daten zu lesen (Open Source Software) und zum Datenspeichermedium sowie dem physischen Gerät, um die Daten abzuspielen, das heisst, in eine für Menschen verständliche Form zu bringen (Open Hardware).

Eine Schallplatte im All

Ein historisches Beispiel digitaler Nachhaltigkeit stellen die goldenen Schallplatten dar, die 1977 an Bord der zwei Voyager-Sonden in den Weltraum geschossen wurden. Diese Golden Records bestehen aus vergoldeten Kupferscheiben und haben damit eine geschätzte physische Lebensdauer von mehreren hundert Millionen Jahren. Auf ihrer Oberfläche ist unter anderem mittels ausgeklügelter Skizzen und binärer Zeichen beschrieben, wie die Schallplatte abzuspielen ist, um die darauf gespeicherten Bilder anzusehen und die Töne zu hören. Damit werden alle erwähnten Kriterien der digitalen Nachhaltigkeit erfüllt.

So sollte es ausserirdischen Lebewesen möglich sein, auf diese Informationen zuzugreifen und damit wichtige Anhaltspunkte über das Sonnensystem, die Erde, die Menschen und unsere Lebensweise zu erfahren – sofern sie über Detektoren für elektromagnetische Strahlung (Augen) und akustische Schwingungen (Ohren) verfügen. Ausgerüstet mit diesen «digital nachhaltigen» Schriftstücken fliegen die Raumsonden inzwischen Milliarden von Kilometer ausserhalb des Sonnensystems immer weiter weg – um dann und wann im Abstand von zehntausenden von Jahren mehr oder weniger nahe an anderen Sternen vorbeizukommen.

Kontakt: Dr. Matthias Stürmer, Institut für Wirtschaftsinformatik, Leiter Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeitmatthias.stuermer@iwi.unibe.ch

Interviews, Vortrag und Paper zu digitaler Nachhaltigkeit

Nach gut einem Jahr Aufbauarbeit konnte im August 2014 die Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit endlich mit eigener Website und mit offizieller Medienmitteilung der Universität Bern richtig lanciert werden. Seither gabs Berichte (Der Bund, 4. September 2014) und Interviews (Swisscom-Blog, 2. Oktober 2014) über die Stelle und das Thema, was mich sehr freute (ein weiteres Interview ist in Produktion).

Heute hielt ich an der Semantic MediaWiki Conference in Wien ausserdem den Vortrag “Digital sustainability of open source communities“, in dem ich die 6 Charakteristiken aus dem kurzen ICEGOV 2014 Paper “Characteristics of Digital Sustainability” vorstellte. Urs Binggeli trug zum Vortrag die geniale Idee bei, die Voyager Golden Record mit dem Konzept der digitalen Nachhaltigkeit zu verbinden:

Das waren die Folien des Vortrags:

Pressekonferenz “Was sich in Bern mit zwei Mitte-Sitzen in der Regierung ändern wird”

Heute hatten wir nach der Ankündigung im Juni 2012 die zweite offizielle Medienkonferenz der Mitte-Liste. Thema war dieses Mal “Was sich in Bern mit zwei Mitte-Sitzen in der Regierung ändern wird”. Dazu hatten wir 5 Kandidierenden auf der Gemeinderatsliste Punkte entwickelt, was wir in Bern verbessern würden. Vertreter von Bund, BZ, Blick am Abend und SDA folgten aufmerksam unseren Ausführungen und stellten kritische Fragen. Die Ergebnisse von Bund und Blick am Abend sind bereits publiziert.

Mein Votum galt der effizienten und modernen Verwaltung:

  • Eine Verwaltung ist dann effizient, wenn die Abläufe automatisiert sind, die Schnittstellen sauber geklärt sind, Doppelspurigkeiten eliminiert sind und die Dienstleistungen einfach und unkompliziert den Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung gestellt werden.
  • Seit über einem Jahr stellt uns der Gemeinderat eine E-Government-Strategie in Aussicht. Bis heute kann ich eine solche nicht erkennen.
  • Was in anderen Städten und Gemeinden längst online zu erledigen ist, braucht heute in Bern noch den Behördengang.
  • Auf www.bern.ch kann ich zwar jede Menge aus allerlei Politgremien erfahren; aber ich kann nicht:
    • Eine Veranstaltung anmelden
    • Einen Marktstand reservieren
    • Meine Kinder für die Ferieninsel anmelden
    • Eine Parkkarte für mein Auto lösen
    • etc.
  • Eigentlich kann ich gar nichts wirklich Interaktives machen; Bern ist noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Gleichzeitig ist E-Government eigentlich bereits wieder ein alter Zopf, heute spricht man schon vom nächsten Thema: Open Government Data, offene Behördendaten wie zB in Zürich
  • Fest steht: So wie es heute in Bern läuft brauchen wir unnötig Ressourcen für Dinge, die für neue technische Lösungen zur Verfügung stehen sollten.
  • Beim Blick in den Stadtkalender stelle ich fest:
    • Diverse Aufgaben, die zusammengehören, sind in unterschiedliche Abteilungen und teilweise sogar auf unterschiedliche Direktionen verteilt: Migration und Integration gehören zusammen und nicht in zwei Direktionen; gleiches gilt für Wirtschaftsamt und Stadtentwicklung. Schnittstellenprobleme und Effizienzverluste sind die Folge.
    • Weiter stelle ich fest, dass Aufgaben, um welche sich der Kanton kümmert nach wie vor von der Stadt bezahlt und geführt werden (Versicherungsamt und Alters- und Pflegeheim Kühlewil sind Beispiele).
    • Und eigentlich ist es für mich auch nicht einsehbar, warum jede Direktion über einen eigenen Finanz- und Personaldienst verfügen muss, wenn wir doch ein städtisches Personalamt und eine Finanzverwaltung haben.
  • Beim Blick in meine Stadtratsakten stelle ich bei Tiefbauprojekten jeweils verwundert fest, wie teuer sie sind und dass meist ein Benchmark mit vergleichbaren Projekten anderswo fehlt.
  • Und bei Informatikbeschaffungen wird auch nicht gespart: in den letzten 12 Monaten sprachen wir über 300‘000 für Microsoft Serverlizenzen, 2.5 Millionen für KiSS, Bau eines neuen Rechenzentrums für 5 Millionen. Alles Ausgaben, deren Effizienz ich fragwürdig finde.

Veränderung 4: Es ist möglich eine effiziente und innovative Verwaltung zu haben und mit dem Aufbau von Eigenkapital mittelfristig Steuern zu senken

  • Mit anderen Worten: Verzichtsplanung und Anpassung der Standards im Tiefbau, Abbau von Doppelspurigkeiten in der zentralen Verwaltung, forcierter Einsatz von e-Government und sinnvolle Verwendung von Informatikmitteln ermöglichen gezielte Einsparungen.
  • Damit können wir jene Eigenkapitaldecke aufbauen, welche uns mittelfristig auch die Senkung der Steuern erlaubt.
  • Bislang hat der Gemeinderat in dieser Hinsicht nichts gemacht: Seine Portfolioanalyse war ein Mix von punktuellen Sparmassnahmen und Mehreinnahmen, seine E-Government-Strategie ist inexistent, Open Source Alternativen werden erst jetzt langsam auf grossen Druck vom Parlament geprüft, beim neuen Rechenzentrum ist eine Luxusvariante geplant.
  • Meine Note: Knapp 3 – mit einem besonderen Abzug für die Untätigkeit im E-Government Umfeld und die Abhängigkeiten in der Informatik.

NATO Open Source Workshop in Kabul

Einige der Teilnehmenden des NATO Open Source Workshops in Kabul, 2012

Letzten Samstag bis Montag hatte ich die Möglichkeit, an einem NATO-finanzierten Open Source Workshop in Kabul mitzuwirken. Man mag fragen, ob denn die Menschen in Afghanistan nicht noch andere Probleme haben. Ja natürlich, siehe nur gerade die Unruhen am Wochenende, die im gestrigen Selbstmordattentat beim Flughafen mündeten. Nichtsdestotrotz ist es auch für Entwicklungsländer wichtig, dass sie ihre Infrastruktur beginnen aufzubauen – und dazu gehören auch Informatiksysteme. Diese sind insbesondere hilfreich bei der Entwicklung von effizienten und korruptionsresistenten Strukturen und Abläufen.

Mein erster Beitrag war die Präsentation von OpenJustitia, der Open Source Plattform des Schweizerischen Bundesgerichts zur Verwaltung der Gerichtsentscheide. Damit arbeiten in der Schweiz alle Bundesrichter und weiteren Mitarbeitenden des Bundesgerichts um zuverlässig und rasch alle relevanten Gerichtsentscheide und Gesetzestexte aufzufinden:

Der zweite Vortrag erklärte generell wie Open Source Communities organisiert sind und welche Grundarten von Organisationen gängig sind. Für den Workshop war dies insbesondere wichtig, weil Überlegungen vorhanden sind, auch in Afghanistan ein Open Source Kompetenzzentrum zu gründen um eine konstante Anlaufstelle für jegliche Fragen und Vorhaben im Bereich Open Source zu bilden:

Für Kabul war der Workshop ein wichtiger Schritt, sodass auch eine lokale Zeitung darüber berichtete:

EVP kritisiert Vorgehen des Gemeinderats bezüglich Microsoft-Lizenzen

Wie gestern bekannt wurde, umgeht der Berner Gemeinderat die Rückweisung des Stadtrats zum Microsoft Enterprise Agreement und hat die Microsoft-Lösung nun ohne Mitsprache des Stadtrats verabschiedet. Die EVP kritisiert diesen Entscheid und erwartet, dass der Gemeinderat in Zukunft Open Source Software unvoreingenommen fördert.

Der Berner Gemeinderat hat gestern mitgeteilt, dass der Rückweisungsantrag vom 20. Oktober 2011 nicht zum gewünschten Ziel der einreichenden Stadträte Matthias Stürmer (EVP) und Giovanna Battagliero (SP) geführt hat. Die Stadtregierung ist der Meinung, dass Linux-Server keine Alternative zu den Microsoft-Produkten darstellten, weil eine Umstellung auf das Open-Source-Betriebssystem teurer als die möglichen Einsparungen sei. Grund dafür seien die hohen Abhängigkeiten, die von den Fachapplikationen ausgehen. Ausserdem wird der Gemeinderat den Kredit für die Microsoft-Lizenzen von ursprünglich 330’165 Frankennicht mehr dem Stadtrat unterbreiten, da Microsoft Schweiz unterdessen ein günstigeres Angebot in der Höhe von 299’504 Franken gemacht hat. Damit liegen die Kosten innerhalb der Entscheidkompetenz des Gemeinderats, der den neuen Vertrag bereits diese Woche unterzeichnet hat.

Die EVP Stadt Bern ist enttäuscht über die Antwort des Gemeinderats. Trotz mehreren Gesprächen mit der Stadtinformatik gingen die Verantwortlichen beispielsweise nicht auf den Vorschlag ein, sich mit Berner Linux-Anbietern an einem runden Tisch zu treffen. Dadurch konnten Open-Source-Alternativen nicht optimal geprüft werden. Auch hat die Stadtinformatik bloss die Linux-Tauglichkeit der Fachapplikationen abgeklärt, jedoch wurde nicht transparent gemacht, auf wie vielen Microsoft-Servern die wesentlichen Infrastrukturanwendungen wie Email, Backup, DNS, Netzwerk-Monitoring etc. laufen. Die EVP Stadt Bern ist überzeugt, dass gerade im Serverumfeld Linux eine hervorragende und breit erprobte Alternative zu proprietären Betriebssystemen darstellt und deshalb das Potential noch nicht ausgeschöpft ist.

Die EVP Stadt Bern kritisiert ausserdem den Kunstgriff des Gemeinderats, die von Microsoft gesenkten Lizenzkosten ohne erneuten Stadtratsbeschluss zu genehmigen. Der Kredit hätte gemäss Rückweisungsantrag erneut dem Stadtparlament unterbreitet werden sollen.

Immerhin kann als Aufsteller festgestellt werden, dass dank des Rückweisungsantrags die Stadt Bern 30’000 Franken Steuergelder einsparen konnte. Diese Kosteneinsparung zeigt deutlich, dass bereits durch die blosse Prüfung von Software-Alternativen die Preise der Informatik gesenkt werden können. Aus diesem Grund erwartet nun die EVP Stadt Bern, dass die von ihr mit eingereichte interfraktionelle Motion zur Förderung von Open Source Software positiv vom Gemeinderat beantwortet wird. Die gestern im Stadtrat gegründete interfraktionelle Gruppe „Digitale Nachhaltigkeit“, der bereits 20 Mitglieder des Stadtparlaments angehören, wird sich verstärkt um das Thema Abhängigkeiten in der Stadtinformatik kümmern.