Votum zum Verbot von sexistischer und rassistischer Werbung

31. Januar 2013, Matthias Stürmer, EVP

„Sex sells!“ lautet der Schlachtruf der Werbeindustrie. Sexistische und auch rassistische Werbung ist aktueller denn je. Gerade gestern gab es einen Bericht mit Foto im 20min über Werbung für Villiger-Zigarren. (Wer das Bild nicht kennt: Es zeigt vier Frauen, die knapp bekleidet in einer Reihe stehen und darunter steht „Abwechslung macht Freude“) Da hat es eine Werbung, die eigentlich verboten worden wäre, noch gratis in die grösste Schweizerzeitung geschafft. Das heisst, wer provoziert, gewinnt immer…

Mir ist bewusst, Geschmack und Sensibilität sind unterschiedlich: Wie viel Haut ist akzeptierbar? Welche Ängste gegenüber Ausländern sind noch haarscharf ethisch vertretbar? Welche religiösen Äusserungen sind noch akzeptabel? Ab wann werden spirituelle Überzeugungen verletzt? Über diese Fragen kann man geteilter Meinung sein.
Und trotzdem, frauenfeindliche Werbung ist keine Frage des Geschmacks. Es gibt klare Anzeichen, wo Limiten überschritten werden. Wenn zum Beispiel Fotos von Frauen als Transportmittel für ein völlig anderes Produkt genutzt werden wie zum Beispiel Bikini-Fotos für Villiger-Zigarren. Da hat die Schweizerische Lauterkeitskommission gleich selber den „unmissverständlichen sexuellen Bezug festgestellt.“

Die Konsequenzen von sexistischer Werbung sind mehr als nur etwas verletzte Gefühle: Jugendliche orientieren sich stark an der täglichen Werbung. Vor allem bei jungen Frauen verstärkt sich das verzerrte Frauenbild weiter was zu Schlankheitswahn und Magersucht führt. 5 – 20 % der an Magersucht Erkrankten sterben daran. Jungs werden zu weiterem Pornografie-Konsum angespornt. Autofahrer werden abgelenkt vom Strassenverkehr etc. Verführerische Werbung gefährdet Menschenleben.

Nun zur Motionsantwort des Gemeinderats. Die Stadtverwaltung hat sich offensichtlich Mühe gegeben und drei verschiedene Varianten der Umsetzung als neues Gesetz bzw. Reglement geprüft. Leider scheint jedoch die Gesetzeslage im Kanton Bern wesentlich komplizierter zu sein als im Kanton Basel-Stadt. Die Abklärung scheint ein Spiessrutenlauf durch die Kantonale Bürokratie gewesen zu sein. Das Fazit erstaunt: Die Änderung des Stadtberner Reklamereglements bedingt eine Volksabstimmung. Das finde ich grundsätzlich unverständlich.

Wir von der GFL/EVP Fraktion befürworten die bereits getroffenen Massnahmen des Gemeinderats und sind bereit, die Motion abzuschreiben. Allerdings werden wir sehr genau schauen, dass die neuen Vorschriften von APG und Clear Channel Schweiz wirklich auch eingehalten werden. Falls nicht, werden wir gemeinsam mit anderen Fraktionen das Thema mit neuen Vorstössen angehen.

Hinweis: Die Junge EVP hat bereits 2006 eine Petition gegen sexistische Werbung eingereicht.