EVP-Stadtrat verlangt Alternativen bei der Informatik

Zusammen mit weiteren Stadträtinnen und Stadträten aus SP, der Jungen Alternative (JA!) und der Grünliberalen Partei (GLP) hat EVP-Stadtrat Matthias Stürmer eine Motion für die Erarbeitung und Umsetzung einer Open-Source-Förderstrategie eingereicht.

Die interfraktionelle Motion unterzeichneten 47 der 80 Stadträtinnen und Stadträte. Sie fordert vom Gemeinderat eine aktive Förderung von Open-Source-Software in der Informatik der Stadtverwaltung. Die Verfasser des Vorstosses betonen, dass die jährlichen Investitionen in die Informatik in der Stadt Bern im mehrstelligen Millionenbereich liegen und deshalb eine vorausschauende und wirkungsvolle Strategie notwendig ist. Aufgrund der stetig wachsenden Abhängigkeiten von grossen Software-Lieferanten werden heute vielfach Software-Produkte beschafft, ohne dass Alternativen nur schon geprüft worden sind. Diese Situation sei sowohl für die Stadtinformatik wie auch für die Steuerzahlenden stossend.

 

Die Erstunterzeichnenden weisen auf die Vorteile einer Förderung von Open-Source-Software hin: Langfristige Kosteneinsparungen, wiedergewonnene Kontrolle über Software und Daten sowie Innovation und Wettbewerb unter den lokalen Informatik-Unternehmen.

Die geforderte Open-Source-Förderstrategie soll folgende Anforderungen erfüllen:

  • Bei allen künftigen Beschaffungen werden in der Regel Betriebssystem- und Browserunabhängige Lösungen gewählt (z.B. Web-Applikationen, Java, Verwendung offener Datenformate).
  • Öffentliche Ausschreibungen werden möglichst produkt- und herstellerneutral ausgeschrieben.
  • Bei allen öffentlichen IT-Beschaffungen werden stets auch Open Source Lösungen zugelassen.
  • Bei gleichwertigen funktionalen Eigenschaften und vergleichbaren Kostenstrukturen wird die Open-Source-Variante bevorzugt.
  • Eigens oder im Auftragsverhältnis entwickelte Software wird unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht.

Damit diese Open-Source-Förderstrategie einst nicht unbeachtet im Schreibtisch verschwindet, soll sie mittels einer neu zu schaffenden Kompetenzstelle bei den Informatikdiensten umgesetzt werden. Auch sollen sich die Informatikdienste aktiv in nationalen und internationalen Gremien bezüglich Open Source vernetzen und gemeinsam mit anderen Behörden Open-Source-Projekte und -Initiativen umsetzen.

Matthias Stürmer ist neuer EVP-Stadtrat

Am 20. Oktober 2011 nahm der neue Stadtrat der EVP Stadt Bern, Matthias Stürmer, an seiner ersten Stadtratssitzung teil. Er folgt auf Barbara Streit-Stettler, die vor den Herbstferien nach 11-jähriger Tätigkeit aus dem Stadtrat zurückgetreten ist.

Obwohl neue Stadträte an ihrer ersten Sitzung in der Regel nicht sprechen, wurde Matthias Stürmer bereits in seiner ersten Sitzung von seiner GFL/EVP-Fraktion als Sprecher ins Rennen geschickt. Dies ist kein Wunder, handelte es sich doch beim betreffenden Geschäft um einen Informatik-Kredit. Matthias Stürmer liess es sich aufgrund seines beruflichen Fachwissens nicht nehmen, dazu einen interfraktionellen Rückweisungsantrag zu lancieren. Dies mit Erfolg: Der Antrag wurde mit 35 zu 27 Stimmen vom Stadtrat angenommen.

Matthias Stürmer (31) hat an der Uni Bern Betriebswirtschaft und Informatik studiert und an der ETH Zürich doktoriert. Heute ist er als Technologie-Berater bei Ernst & Young Schweiz tätig und hat sich auf Open Source Software, Open Government Data und Social Media Governance spezialisiert. Er wohnt mit seiner Frau Anita und den drei Kindern Lionel, Kai und Ella in Oberbottigen (Gemeinde Bern). Matthias Stürmer ist Vorstandsmitglied der Swiss Open Systems User Group/ch/open, Geschäftsleiter der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit und Mitgründer der Open Data Initiative opendata.ch.