Vier virtuelle Event-Typen und einige Erfahrungen als Organisator und Speaker

Nach Hunderten von BigBlueButton-, Zoom-, Teams-, Skype-, JitsiMeet- und weiteren Online-Tool-Sessions sind wir Homeoffice-Arbeitenden wohl alle mehr oder weniger Virtual Meeting erprobt. Zu zweit oder in kleineren Teams ist es unterdessen auch eine Normalität geworden Online-Meetings durchzuführen. Welches aber sind die unterschiedlichen Formen von virtuellen Events mit Dutzenden oder Hunderten von Teilnehmenden und Speakers? Und was sind die Vor- und Nachteile der jeweiligen Formate aus Perspektive der Organisierenden, Speakers und Teilnehmenden?

In diesem Blog-Post gebe ich einige meiner Erfahrungen aus dem 2020 ‘Low Cost’ Virtual Event Management von der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit, von Parldigi sowie den Vereinen Digital Impact Network und CH Open weiter. Auch habe ich als Redner (bspw. Keynote an KID-Tagung 2020 des SEM) und Zuhörer an zahlreichen Online-Veranstaltungen teilgenommen, was meine Erfahrungen mit weiteren Perspektiven ergänzt. Dabei habe ich bislang vier verschiedene virtuelle Event-Typen identifiziert:

1. Variante “komplett virtuell”
2. Variante “Fernseh-Studio”
3. Variante “Sessions lokal, Teilnahme virtuell” und
4. Variante “vollständig hybrid”

Ich bin gespannt auf Feedback, wie andere dies in den letzten Monaten erlebt haben und aktuell immernoch tun!

1. Der vollständig virtuelle Event aus dem Homeoffice

Beim vollständig virtuellen Event sind sowohl Moderation wie auch Speakers im Homeoffice und senden mit ihren eigenen Laptops und Webcams. Beim Verein Digital Impact Network haben wir schon am 1. April 2020 das erste komplett virtuelle Online-Meetup #DINversusCorona durchgeführt. Ein paar Tage später haben Lionel und ich dann von zu Hause aus einen virtuellen Scratch-Kurs mit rund 30 Kids durchgeführt.

Den ersten grösseren, vollständig virtuellen Event aus dem Homeoffice habe ich im Rahmen des Open Education Halfday 2020 am Samstag, 25. April 2020 mitorganisiert. Von CH Open und der PH Bern haben wir kurzfristig dank einer BigBlueButton-Instanz von den teckids für den Anlass mit rund 150 Teilnehmenden und etwa 30 Speakers nutzen dürfen. Das hat technisch gesehen sehr gut geklappt, insbesondere wenn man bedenkt, dass wir innerhalb von drei, vier Wochen das fixfertige Vorort-Programm komplett auf einen virtuellen Event umgestellt haben und im April 2020 die meisten noch wenig Speaker-Erfahrung mit Video Conferencing Tools hatten.

Auch die Video Conferencing Software BigBlugButton hat sich enorm gut bewährt – sowohl didaktisch wie auch technisch. Inspiriert von dieser positiven Erfahrung haben wir anschliessend den von green gesponsorte BigBlueButton-Server der CH Open initiiert. Auf dieser Instanz sind unterdessen über 1800 Personen registriert, die im 2020 insgesamt über 13’500 Meetings durchgeführt haben.

2. Der virtuelle Event aus dem ‘Fernseh-Studio’

Ein virtueller Event mit ‘Fernseh-Studio’ Atmosphäre findet statt, wenn die Moderation an der Event-Location vor Ort ist, aber die einzelnen Speakers von ihren Büros oder Homeoffices aus über eine Video Conferencing Plattform senden. Das hat den Vorteil, dass der Gesamt-Event einiges professioneller daherkommt, weil die Studio-Location aufwändig eingerichtet wird. Dafür ist ein professionelles Filming notwendig, was das ganze wieder etwas teuerer macht. Dennoch sehr gute Erfahrungen haben wir damit an der DINAcon 2020 gemacht, als wir in der Welle7 vor Ort unser Studio aufbauen konnten und mit Jonathan Hess und seinem Team von Moving Water eine professionelle, aber dennoch zahlbare Video- und Audio-Einrichtung vor Ort installieren konnten.

Mit Profis am Werk war es so auch möglich, tolle Clips und Sounds einzublenden, sodass der aufgezeichnete YouTube Live-Stream inkl. Vortrag von ESA Chief Digital Officer Bianca Hoersch und SwissCovid App Chef-Entwickler Mathias Wellig einen doch sehr guten Eindruck hinterlässt. Wiederum mit BigBlueButton haben wir dann die zahlreichen Workshop-Sessions durchgeführt, die wir auch aufzeichnen konnten.

3. Virtueller Event mit lokal durchgeführten Sessions

Beim lokal durchgeführten virtuellen Event werden alle Speakers für die Durchführung und das Filming der Sessions vor Ort eingeladen, aber die Teilnahme für die Besuchenden ist nur remote möglich. Dies hat der Vorteil, dass sich die Speakers nicht selber um das Streaming Equipment kümmern müssen, sondern im Plenumsraum und in den Workshop-Räumen ganz auf ihre Inhalte fokussieren können. Der Nachteil ist, dass so ein Event – ähnlich wie ein normaler vor-Ort-Event - aufwändig ist zu organisieren. Aber dafür ist der Anlass soweit Corona-sicher durchzuführen, da sich nicht mehr als 5 Personen in einem Raum aufhalten müssen. Und man kann es gegenüber den Speakers flexibel handhaben, ob sie von der Technik vor Ort profitieren wollen, dafür aber anreisen müssen, oder ob sie vom Homeoffice aus selber das Streaming verantworten. So haben wir denn auch diese Form gewählt, den Open Education Day 2021 am Samstag, 24. April 2021 an der PH Bern im vonRoll-Areal durchzuführen. Wir sind gespannt, wie viele Speakers dann tatsächlich an die Event Location kommen und wie viele von zu Hause aus senden werden.

4. Der komplett hybride Event

Beim vollständig hybriden Event können sowohl die Speakers als auch die Teilnehmenden entweder vor Ort oder von zu Hause aus am Anlass partizipieren. Das hat den Vorteil, dass die alle ihrem Gusto entsprechend über die Form der Teilnahme entscheiden können. Der Nachteil ist jedoch, dass die Organisation eines solchen Event-Formats wohl am Aufwändigsten ist. Einerseits müssen die Speakers sowohl die vor-Ort Anwesenden als auch die Remote-Teilnehmenden ansprechen. Das hat der Nachteil, dass man als Redner so keiner Ansprechsgruppe richtig gerecht werden kann. Ich habe das selber mehrfach als Dozent meiner Vorlesung “Digitale Nachhaltigkeit” erlebt, als im Herbst 2020 die Veranstaltungen vor Ort noch besucht werden durften, aber die Uni Bern doch die Teilnahme von zu Hause aus empfohlen hat. Andererseits ist man als Organisator eines hybriden Events gezwungen, sich enorm viel mit technischen Details von Video- und Audio-Input und -Output zu beschäftigen.

Diese Erfahrung machten wir an der IT-Beschaffungskonferenz 2020 am 26. August 2020 in Bern, als wir aufgrund der kantonalen Beschränkungen rund 100 Teilnehmende vor Ort und rund 80 Remote-Teilnehmende begrüssen durften. Bei rund 40 Speakers war der Aufwand enorm, insbesondere da die zahlenden Teilnehmenden sowohl vor Ort als auch remote verständlicherweise hohe Ansprüche an die Veranstaltung hatten. Im Plenum konnten wir uns die Moving Water Film-Crew leisten, in den 10 Session-Räumen hatten wir mit eigenen Laptops eine Live-Übertragung per BigBlueButton umgesetzt. Die Video Conferencing Plattform funktionierte einwandfrei, aber wir hatten umso mehr Aufwand mit der Video-und Audio-Hardware. Da ärgerten wir uns beispielsweise rum mit unterschiedlichen Audio-Klinkenstecker-Typen und verschiedenen Signalerkennungs-Mechanismen von den Übertragungs-Laptops was viel Zeit und Nerven kostete. Das Resultat war dennoch zufriedenstellend, sodass wir nun immerhin das ganze Conference-Package inkl. Aufzeichnungen und Folien-Downloads für CHF 100 verkaufen können.

Fazit

Ich denke mit diesem kurzen Blog-Beitrag ist ersichtlich geworden, dass es nicht einfach “den” virtuellen Event gibt, sondern dass es unterschiedliche Formen mit jeweils anderen Vor- und Nachteilen für Organisatoren, Speakers und Teilnehmenden gibt. Kennt ihr andere Varianten der Online-Event-Austragung? Was sind eure Erfahrungen damit? Und wo liegt für euch der beste Kompromiss zwischen Aufwand und Nutzen der Event-Formate?

Virtueller Scratch-Kurs am kommenden Samstag, 4. April 2020

Liebe Eltern, liebe Kinder

Da der geplante Scratch-Kurs am kommenden Samstag nicht vor Ort an der Uni Bern stattfinden kann, führen Lionel und ich an diesem Tag spontan einen kostenlosen, virtuellen Scratch-Event durch:

Wer sich anmeldet, kann sich am kommenden Samstag, 4. April 2020 von 10h bis 12h und von 13h bis 15:30h in eine Video-Konferenz Session einklinken und dann mit Lionel und anderen Kids zusammen Scratch programmieren lernen bzw. ein eigenes Scratch-Projekt mit Coaching durch Lionel umsetzen:

Einerseits können diejenigen, die noch keinen CS First Kurs besucht haben, aus drei verschiedenen Modulen auswählen, wie sie die Scratch-Grundlagen erlernen möchten (Game Design, Musik und Sound sowie Kunst). Andererseits bieten wir für erfahrene Scratcher*innen an, dass sie an diesem Tag ihr eigenes Projekt erarbeiten und dann zum Abschluss des Tages um 15h allen vorstellen können.

Die technische Voraussetzung ist, dass Laptop/Computer mit externer Maus und Kopfhörer vorhanden sind, dass ein guter Internet-Anschluss besteht und dass das Video-Konferenz Tool Zoom (“Zoom-Client für Meetings“) installiert ist.

Bitte meldet euch bzw. eure Kinder bis spätestens am Donnerstag Abend, 2. April 2020 bei mir per Email an (matthias.stuermer@inf.unibe.ch). Die Teilnehmerzahl ist begrenzt – first come, first served. Der Link zum Zoom-Meeting und der Code für den Scratch-Kurs werden am Freitag, 3. April 2020 per Email allen angemeldeten Teilnehmenden mitgeteilt.

Für die geplanten Scratch-Anlässe im Juni und August hoffen wir, dass wir diese dann wieder vor Ort an der Uni Bern durchführen können:

Samstag, 20. Juni 2020, 10h-16h
Infos beim Digital Impact Network: https://digitalimpact.ch/events/scratch-einfuehrungskurs-juni-2020/
Infos und Anmeldung beim Fäger: https://www.faeger.ch/de/programm/scratch-einfuehrungskurs-juni-2020-79.html?event_date=131

Donnerstag, 6. August 2020 und Freitag, 7. August 2020, jeweils 10h-16h
Infos beim Digital Impact Network:
https://digitalimpact.ch/events/programmieren-lernen-mit-scratch-2/
Infos und Anmeldung beim Fäger: https://www.faeger.ch/de/programm/scratch-einfuehrungskurs-august-2020-80.html?event_date=132

Dann vielleicht bis in einer Woche!

Gute Gesundheit und herzliche Grüsse,

Matthias & Lionel Stürmer

PS: Link zu Lionels Scratch-Projekte und YouTube-Clips zu Scratch

Politik-Pause

Medienmitteilung der EVP Stadt Bern

In den letzten Monaten reifte der Gedanke, dass es Zeit für eine Politik-Pause ist. Mit einem spannenden Job an der Uni Bern, wo ich forschen, dozieren und ein Team von 20 Mitarbeitenden führen sollte, mehreren Verbandstätigkeiten sowie einer Familie mit drei Kindern, blieb in letzter Zeit neben den regulären Stadtrats- und Kommissionssitzungen wenig Kapazität für zusätzliches politisches Engagement. So habe ich mich entschieden, per Ende Oktober 2019 aus dem Stadtrat zurückzutreten.

Einerseits freue ich mich, künftig etwas mehr Raum für meine Aufgaben an der Universität sowie mehr Flexibilität für meine Familie zu haben. Andererseits ist der Rücktritt aus dem Stadtrat auch ein Loslassen von einer Tätigkeit, die ich in den letzten acht Jahren mit grosser Leidenschaft ausgeübt habe. Die vielen politischen Geschäfte und Vorstösse, aber auch die unzähligen spannenden Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen sind eine grosse Bereicherung gewesen. Gerne blicke ich auf zahlreiche Momente zurück, beispielsweise gleich auf den Start im Stadtrat.

Es kommt mir vor, als wär’s erst gestern gewesen: Ausgerechnet an meiner ersten Stadtratssitzung am 20. Oktober 2011 wurde ein Vertrag mit Microsoft von CHF 330’000 behandelt. Durch gutes Coaching meiner Fraktion (und natürlich ein bisschen Anfänger-Bonus ;) ) konnte ich den Stadtrat von der Ablehnung dieses fraglichen Geschäfts überzeugen – obwohl es von der Kommission vorgängig einstimmig zur Annahme empfohlen wurde. Die damals zuständige Gemeinderätin Barbara Hayoz war ziemlich entrüstet über diese unerwartete Niederlage. Mir zeigte das Beispiel vom ersten Tag an, dass man in der Politik tatsächlich etwas bewegen kann.

Informatik und Open Source waren in den folgenden Jahren auch meine politischen Schwerpunkte im Stadtrat. Verschiedene weitere Geschäfte und Vorstösse dazu folgten – einige kamen durch, andere wurden abgeschmettert. Gerade diese Dynamik von Erfolg und Misserfolg zeigte mir, mit persönlichen Siegen und Niederlagen umzugehen – wohl ähnlich wie bei sportlichen Wettkämpfen. Des Weiteren lernte ich in der Zeit als Stadtrat mit Menschen mit ganz anderen politischen Meinungen respektvoll zu diskutieren und bei gemeinsamen Themen auch zusammenzuarbeiten. Entscheidend war letztlich immer, eine Mehrheit für ein Anliegen zu schaffen. Diese Erkenntnis sowie die viele Übung beim frei Reden und beim Moderieren sind wertvolle Erfahrungen, die mir heute bei Sitzungen an der Uni oder in Vorständen helfen meine Positionen gut zu vertreten.

So blicke ich mit grosser Dankbarkeit auf die Zeit als Stadtrat zurück, freue mich auf die freien Abende und warte gespannt, wie meine politische Zukunft bei der EVP aussehen wird.

No security by obscurity!

«No security by obscurity» ist ein wichtiger Grundsatz in der modernen Kryptographie, der auf einer bereits 1883 publizierten Arbeit des niederländischen Linguisten und Kryptologen Auguste Kerckhoffs basiert. Die Aussage «Keine Sicherheit durch Verschleierung» besagt, dass die Sicherheit eines Verschlüsselungsverfahrens besser auf der Geheimhaltung des Schlüssels beruht anstelle auf der Geheimhaltung des Verschlüsselungsalgorithmus. So ist es bekanntermassen einfacher, einen Schlüssel (ein langes Passwort) geheim zu halten als einen Algorithmus (ein kurzes Computer-Programm). Und falls der Schlüssel doch einmal in falsche Hände geraten sollte, kann er einfacher durch einen neuen Schlüssel ersetzt werden als dass ein Algorithmus neu programmiert wird. Der transparente Quellcode eines Algorithmus hat ausserdem den Vorteil, dass Fachleute besser Fehler und Schwachstellen identifizieren können. Damit wird auch die Gefahr minimiert, dass jemand eine versteckte Hintertür («Backdoor») einbauen kann.

Nach diesem Transparenz-Prinzip «No security by obscurity» sind alle modernen asymmetrische Kryptosysteme (Public Key-Verschlüsselungsverfahren, Public Key-Authentifizierung, digitale Signaturen) entwickelt, die heute überall in der Informatik angewendet werden: Verschlüsselung von Emails, sichere Kommunikation im Webbrowser (mittels HTTPS – Hypertext Transfer Protocol Secure), signierte PDFs, Kryptowährungen wie Bitcoin und andere Blockchain-Anwendungen, usw. Bei all diesen Verfahren ist der Quellcode der Verschlüsselungsverfahren zwar offen zugänglich, aber der eigentliche Schlüssel (das Passwort) bleibt geheim.

Neben diesen technischen Grundlagen ist aber auch immer der «Faktor Mensch» entscheidend, ob die Sicherheit im Unternehmen und bei Behörden gewährleistet ist oder nicht. So zeigen die spannenden Beiträge dieser neuen FOCUS-Ausgabe, dass alle technischen Massnahmen nichts nützen, wenn die Mitarbeitenden nicht genügend zu IT-Security ausgebildet und auf aktuelle Gefahren sensibilisiert sind (siehe Seite 9: «Warum technische Massnahmen alleine nicht ausreichen, um die IT-Sicherheit meines Unternehmens zu gewährleisten»). Auch ist es entscheidend zu verstehen, wie die Dynamik des Darknet funktioniert, was böswillige Hacker antreibt und welche Gegenmassnahmen möglich sind (siehe Seite 13: «Grüsse aus dem Darknet von ‹Petya›, ‹WannaCry› und Co.»). Ein praktisches Beispiel, wie offene Standards in Sicherheits-Systemen einen Mehrwert schaffen und Herstellerabhängigkeiten reduzieren, zeigt die Schaffung einer Interessensgemeinschaft von Offline-RFID Endanwendern (siehe Seite 28: «Zutrittssysteme: Ein Offline-Zutritts-Standard ist gefordert»). Zahlreiche weitere Beiträge des vorliegenden FOCUS behandeln ausserdem die neuen Entwicklungen beim Datenschutz, insbesondere der neuen EU Datenschutzgrundverordnung (DSGVO, siehe Seiten 5 «Ein Überblick über die laufenden Datenschutzrevisionen in Europa und der Schweiz» und Seite 7 «Handlungsbedarf für Schweizer Firmen und Organisationen».)

Die DSGVO war auch an der diesjährigen tcbe.ch Generalversammlung ein wichtiges Thema, als Dr. Monique Sturny von Walder Wyss AG die Auswirkungen der neuen EU-Gesetzgebung auf Schweizer Unternehmen aufzeigte. Daneben lief viel beim tcbe.ch in den letzten 12 Monaten: wir führten einen Abendanlass zu Smart City und Open Government im September 2017 durch, veranstalteten einen Event zum Internet der Dinge im Oktober 2017, feierten im November 2017 das 20-jährige Jubiläum des tcbe.ch und starteten mit Scratch-Programmierkursen für Kinder und Jugendliche ins 2018. Auch bereits im aktuellen Jahr führten wir einen Abendanlass zur Rolle des Menschen in der Digitalisierung durch und organisierten um 7 Uhr früh den ersten Digital Morning zum Thema Augmented und Virtual Reality im Bauwesen.

Als Präsident des tcbe.ch freut es mich, nun mit 14 Kolleginnen und Kollegen im Vorstand und insbesondere mit Rebeca Sanchez als neue Office Managerin die Zukunft des tcbe.ch zu gestalten. Bald schon werden wir diesbezüglich ein neues Kapitel beginnen: Wie bereits an der diesjährigen Generalversammlung angetönt, wollen wir uns als tcbe.ch einen neuen, zeitgemässen Namen und einen komplett überarbeiteten visuellen Auftritt geben. Wir freuen uns deshalb, Ihnen am diesjährigen Digitaltag am Donnerstag, 25. Oktober 2018 den neuen Namen inklusive Logo und Website vorzustellen – die Einladung folgt!

Meine Smartvote-Antworten zur Digitalpolitik des Kantons Bern

Mit grosser Freunde habe ich festgestellt, dass Smartvote bei den Grossratswahlen 2018 erstmals 5 wichtige Fragen bezüglich Digitalpolitik des Kantons Bern gestellt hat. Die die Smartvote-Profile der Kandidierenden erst Ende Januar 2018 aufgeschaltet werden hier vorweg meine Antworten inklusive entsprechender Begründung warum ich JA oder NEIN angegeben habe (bin gespannt auf Feedback und andere Reaktionen in den Kommentaren):

1. Soll der Kanton Bern die elektronische Stimmabgabe bei Wahlen und Abstimmungen (E-Voting) flächendeckend einführen?
JA: E-Voting ist eine Notwendigkeit für Auslandschweizer, damit diese ihre demokratischen Rechte wahrnehmen können. Gleichzeitig sollten Auslandschweizer gegenüber den im Kanton Bern wohnhaften Stimmberechtigten nicht bevorzugt werden. Deshalb ist eine flächendeckende elektronische Stimmabgabe sinnvoll. Wichtig ist, dass die E-Voting Plattform auf einer Open Source Lösung wie die des Kantons Genf basiert, sodass die Stimmenzählung und die weiteren Verarbeitungsschritte nachvollziehbar sind.

2. Durch Digitalisierung und Automatisierung werden viele Arbeitsplätze gefährdet. Soll der Kanton Bern betroffene Personen durch die Finanzierung von Umschulungen und Weiterbildungen verstärkt unterstützen?
JA:
Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt grundlegend sodass zahlreiche Arbeitsplätze verschwinden und ganze Berufsbilder sich grundlegend verändern werden. Gleichzeitig entstehen neue Stellen, die aber oftmals gute Informatikkenntnisse oder zumindest fundierte Anwenderfähigkeiten voraussetzen. Diese können durch Umschulungen und Weiterbildungen erlernt werden, weshalb eine öffentliche Förderung (wie bei der Ausbildung) volkswirtschaftlich Sinn macht.

3. Der Wettbewerb in verschiedenen Branchen wurde durch Online-Vermittlungsdienste (z.B. Airbnb, booking.com, Uber) verschärft. Sollten diese Dienste vom Staat strenger reguliert werden?
NEIN: Die Digitalisierung lässt sich nicht stoppen, weder in der Hotellerie noch im Taxiwesen. Deshalb macht es wenig Sinn, bestimmte Branchen vor der technologischen Entwicklung zu ‘schützen’. Viel besser wäre es, wenn sich Verbände dafür einsetzen würden, selber benutzerfreundliche Online-Angebote für ihre Mitglieder aufzubauen. So würde der Profit dieser digitalen Plattformen nicht ausländischen Unternehmen zufallen sondern in der Branche bleiben. Die Förderung solcher Initiativen wäre sinnvoll.

4. Soll die Netzneutralität (gleichberechtigte Datenübertragung aller Angebote im Internet) per Gesetz verankert werden?
JA: Beim Thema Netzneutralität ist es wichtig zu verstehen, dass es (in der Schweiz) vor allem um die kommerzielle Gleichberechtigung der Online-Angebote geht. Wenn bspw. Sunrise den Whatsapp-Traffic nicht zum limitierten Datenvolumen zählt (Zero-Rating), dann benachteiligt dies Apps wie Threma oder Signal und bremst somit Wettbewerb und Innovation. Eine gesetzliche Verankerung der Netzneutralität ist nötig um das freie Internet zu schützen und innovative Startups nicht zu benachteiligen.

5. Sollte die Vermittlung digitaler Kompetenzen (IT- und Programmierkenntnisse) bereits auf der Primarschulstufe gegenüber anderen Fächern deutlich gestärkt werden?
JA: Der Lehrplan 21 sieht im Modul “Medien und Informatik” vor, dass Kinder und Jugendliche in der Volksschule lernen was Algorithmen sind und wie Computer generell funktionieren. Das ist richtig so, denn diese Fähigkeiten sind entscheidend für die Job-Chancen der nächsten Generation und damit für die Zukunft unserer Wirtschaft. Heute gibt es bspw. mit der visuellen Programmierumgebung Scratch eine praktische Lernumgebung, wie der Umgang mit Programmierkonzepten spielerisch erlernt werden kann.

Warum künftig alle Kinder programmieren lernen werden

Beitrag für die neue EVP Info Stadt Bern Ausgabe

Der Apfel fällt wohl tatsächlich nicht weit vom Stamm: Seit drei Jahren programmiert unser Lionel (bald 12) regelmässig mit Scratch, einer visuellen Programmiersprache, die seit über zehn Jahren am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt wird. Mit Scratch können Spiele, Geschichten, Simulationen und viele weitere Programme geschrieben werden. So erlernen Kinder und Jugendliche spielerisch Algorithmen und die Kommunikation mit dem Computer – denn Programmiersprachen sind vergleichbar mit menschlichen Sprachen.

Aber wäre es nicht besser, wenn Kinder eher weniger Zeit am Bildschirm verbringen würden? Zudem können ja nicht alle Informatiker werden, auch noch andere Berufe werden gebraucht. Das stimmt natürlich, aber es sagt ja auch niemand, dass alle ein Leben lang nur noch programmieren sollen. Es befürchtet doch auch niemand, dass alle Kinder z.B. Schriftsteller werden müssten, nur weil in der Schule Schreiben unterrichtet wird.

Der Lehrplan 21, der diesen Sommer im Kanton Bern in Kraft tritt, gibt eine sinnvolle Richtung vor: Zur Vorbereitung auf die fortschreitende Digitalisierung unserer Gesellschaft sollen in der Schule neben Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen auch erste Programmierfähigkeiten vermittelt werden. Dadurch erschliesst sich den Kindern das kreative Potential der Informatik, sie können in der digitalen Welt mitreden und haben grössere Chancen bei der Stellensuche.

Andererseits erfahren sie auch die Grenzen und Risiken dieser Technologien. Denn Computer-Anwender müssen sich bewusst sein, dass es z.B. keine «Cloud» gibt, die magisch Daten speichert, sondern dass persönliche Fotos, Emails oder Gesundheitsdaten irgendwo auf Servern von Apple, Google etc. gespeichert sind. Erst wenn ein technisches Grundverständnis vorhanden ist, kann die Bedeutung von Datensicherheit und Privatsphäre verstanden werden. Und nur wer erkennt, wie komplex und anspruchsvoll Software-Entwicklung ist, wird einsehen, warum es immer Programmierfehler und Sicherheitslücken geben kann.

Diese Erkenntnis darf nicht nur Söhnen von Uni-Dozenten vorbehalten bleiben: Alle Kinder brauchen Informatikkompetenzen! Der Lehrplan dazu steht, aber noch fehlt vielerorts die nötige Infrastruktur. Die kommende WLAN-Erneuerung und die Computer-Beschaffung base4kids 2 der Stadtberner Schulen sind darum wichtige Schritte. Auch wenn sie wohl einen hohen Millionenbetrag erfordern werden, dürfte dies eine gut investierte Ausgabe für unsere digitale Zukunft sein.

Am 27. Januar 2018 geben Lionel und ich zum zweiten Mal einen Scratch Einführungskurs. Programm, Voraussetzungen und alle weiteren Infos auf der Website des tcbe.ch ICT Cluster Bern.

Scratch-Workshop durchgeführt – und der nächste ist schon in Planung

Heute führten Lionel und ich unseren ersten gemeinsamen Scratch-Workshop durch. Mit sieben Jungs, zwei Papis und Lionels Grosspapi (ja, an der Diversity arbeiten wir noch… ;) verbrachten wir einen spannenden Hacker-Nachmittag. Dank Googles Computer Science First Programm lösten wir coole Game-Aufgaben, jeder in seinem Tempo. Am Mittag war Pizza angesagt – logisch, die Jungen müssen optimal für die schnellebige Arbeitswelt vorbereitet werden.

Die Feedbacks waren derartig positiv und die Zusammenarbeit hat so gut funktioniert, dass Lionel und ich beschlossen, am Samstag, 27. Januar 2018 gleich nochmal so einen Scratch Einführungs-Kurs am Institut für Wirtschaftsinformatik anzubieten. Der Workshop beginnt dann wiederum um 10h, wird aber bis 16h dauern, da wir merkten, dass die letzte Stunde eigentlich die produktivste war. Auch sonst werden wir noch einige Dinge verbessern. Wir freuen uns somit auf eure Anmeldungen – eine erste ist bereits eingetroffen! (Anmeldung per Email an matthias@stuermer.ch, Platzzahl begrenzt, Mädchen können zum halben Preis teilnehmen)

Scratch Einführungs-Kurs für Kinder und Erwachsene

Am Samstag, 2. Dezember 2017 geben Lionel und ich erstmals zusammen einen Scratch-Kurs. Nach dem Lionel dieses Jahr bereits im April am Open Education Day 2017 und im Oktober an der DINAcon mit meinem Vater Workshop-Erfahrung gesammelt hat, will ich jetzt auch endlich mal eine aktive Rolle leisten.

Es freut mich also, wenn du oder jemanden, den du kennst, am 2. Dezember 2017 von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 15 Uhr am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern (Raum 111) an der Engehaldenstrasse 8 in Bern am Kurs teilnimmt. Eine Anmeldung ist erwünscht an meine Mailadresse matthias@stuermer.ch. Die Teilnahmekosten betragen CHF 30 für Kinder und Jugendliche (10 bis 18 Jahre) und CHF 70 für Erwachsene. Bitte bringt einen Laptop mit, auf dem Scratch im Browser läuft. Empfehlenswert sind ausserdem eine externe Maus und Kopfhörer.

Sie betrifft uns alle: Digitale Transformation

tcbe.ch Focus 2016 Editorial von Matthias StürmerEditorial tcbe.ch FOCUS 2016

Vielleicht haben auch Sie während der Sommermonate den digitalen Graben beim Casinoplatz beobachtet: Während die einen nichtsahnend gemütlich flanierend durch die Berner Altstadt bummelten, drückten andere am gleichen Ort nervös auf ihren Smartphones rum und versuchten virtuelle Pokémons zu fangen. Dieses Game, das die Realität durch digitale Spielfiguren erweitert, lässt seit einigen Wochen Jung und Alt spielerisch die Stadt Bern erkunden.

Augmented Reality wird bei Pokémon GO als lustige Unterhaltung angewendet, ist aber gleichzeitig auch eine wegweisende Technologie für die heutige Industrie. Mit Augmented Reality lassen sich beispielsweise E-Learning Anwendungen realisieren, mit denen die Bedienung und Wartung komplexer Maschinen deutlich einfacher wird.

Digitalisierung findet auch im Gesundheitswesen statt, sei es in der Medizininformatik oder bei der Verwaltung von Arztpraxen und Kliniken. Spannende Projekte wie jenes der Berner Fachhochschule zum „Spital der Zukunft“ werden in der aktuellen Ausgabe des tcbe.ch FOCUS beschrieben. Grosse Veränderungen stehen ebenfalls bei der öffentlichen Verwaltung und im Bildungssektor an. Solche neuen digitalen Möglichkeiten lassen Städte und Gemeinden stetig „smarter“ werden, wie der Beitrag in der aktuellen FOCUS-Ausgabe über Smart Cities zeigt.

Auch beim tcbe.ch hat es einige Veränderungen gegeben. Anfang dieses Jahres ist der bisherige Präsident Dr. Christoph Zimmerli nach 5 Jahren zurückgetreten, bekleidet aber weiterhin im Vorstand als Kassier ein wichtiges Amt. Seit der Hauptversammlung im Februar 2016 darf ich als Präsident dem tcbe.ch vorstehen. Ich habe diese Aufgabe gerne angenommen, da es mir neben meiner Tätigkeit am Institut für Wirtschaftsinformatik an der Universität Bern sowie als Berner Stadtrat ein wichtiges Anliegen ist, die regionale ICT-Branche und auch generell die Digitalisierung in Wirtschaft, Verwaltung und Bildung zu fördern.

An Aktivitäten beim tcbe.ch mangelt es nicht: Zahlreiche Anlässe werden noch dieses Jahr stattfinden oder sind für das nächste bereits geplant, wie die Veranstaltungen 2016/2017 aufzeigen. Dort stehen aktuelle Themen wie Cyber Security, Open Source Software, Sharing Economy und Bitcoin/Blockchain auf der Agenda.

Auch auf strategischer Ebene wollen wir uns als tcbe.ch weiterentwickeln. So sollen erstens unsere Tätigkeiten noch stärker das Networking im Fokus haben, denn in der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, die richtigen Personen zu kennen – und umgekehrt ihnen bekannt zu sein! Zweitens soll der Informationsaustausch und Wissenstransfer rund um ICT ermöglichen, dass neue Trends und Technologien frühzeitig verstanden und Chancen erkannt werden. Und drittens wollen wir uns regional einen klar definierten Perimeter vorgeben, in dem wir unsere Aktivitäten durchführen.

Weil Digitalisierung nicht an den Berner Kantonsgrenzen aufhört und wir gleichzeitig mit dem Chapter Solothurn erste äusserst positive Erfahrungen machen durften, hat der Vorstand beschlossen, dass der tcbe.ch künftig die gesamte Hauptstadtregion Bern, Fribourg, Neuenburg, Solothurn und Wallis abdecken wird. In den nächsten Monaten werden wir deshalb beginnen, Kontakte zu ICT-Unternehmen in Thun, Biel und Brig zu knüpfen und mit bestehenden regionalen ICT-Verbänden zu kooperieren, um weitere tcbe.ch-Chapters anstossen zu können. Selbstverständlich ist dabei auch Eigeninitiative von Firmen, die sich im tcbe.ch engagieren wollen, sehr willkommen. Eine erste Zwischenbilanz dieser neuen Strategie werden wir an der kommenden Generalversammlung am 21. Februar 2017 ziehen.

Nun wünschen wir Ihnen eine informative und unterhaltsame Lektüre des neuen tcbe.ch FOCUS – momentan noch ohne farbige Pokémons, dafür ganz traditionell analog auf Papier!

Dr. Matthias Stürmer, Präsident tcbe.ch – ICT Cluster Bern, Switzerland

Smartphone Apps zum Guten und Schlechten

Editorial EVP Info September 2016

Unser Leben hat sich rasant verändert seit Apple vor bald 10 Jahren das erste iPhone auf den Markt gebracht hat. Am Anfang war es eine Spielerei für ein paar wenige, unterdessen besitzen bereits drei von vier Schweizern ein Smartphone. Täglich verbringen wir viel Zeit damit: Laut einer aktuellen Studie benützen durchschnittliche Anwender ihr Smartphone während über zwei Stunden 76 Mal pro Tag. Oft werden Games gespielt (Pokémon Go lässt grüssen…) oder Facebook genutzt. Manche Anwendungen (kurz: Apps) können aber auch einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen.

So hat die Stadt Zürich vor drei Jahren die App „Züri wie neu“ lanciert. Damit lassen sich Infrastrukturschäden wie Schlaglöcher, kaputte Parkbänke oder defekte Ampeln melden. Die bis jetzt über 8500 Meldungen zeigen, dass die Anwendung einem Bedürfnis entspricht, rasch und unkompliziert Schäden zu melden. Neue Technologien verbessern so die Partizipationsmöglichkeiten der Bürger. Solche Apps sind ausserdem eine Chance für die Verwaltung, in der heutigen anonymen Zeit wieder mehr Bürgernähe zu schaffen. So soll auch in der Stadt Bern dieses System getestet werden, wie die EVP in einem aktuellen, interfraktionellen Vorstoss fordert.

Die digitale Transformation unserer Gesellschaft hat leider auch ihre Schattenseiten. In der Schule ist zum Beispiel Cyber Mobbing eine ernstzunehmende Realität. Jugendliche können heutzutage mittels Klassen-Chats auf WhatsApp und Facebook rund um die Uhr gemobbt werden. Oder „Sexting“, das Versenden von Nacktfotos um seine Liebe zu beweisen, ist heute bei Teenagern oftmals eine Selbstverständlichkeit. Wenn die Beziehung auseinander geht, können solche Bilder rasch unkontrolliert weitergeleitet werden. Umso wichtiger ist Prävention durch Ausbildung in den Schulen. Lehrkräfte müssen dem Thema Medienkompetenz genügend Raum bieten, damit die Schüler das Potential, aber auch die Gefahren der digitalen Medien verstehen und diese sinnvoll einsetzen können.

Gelingt dies, besitzt die neue Generation von „Digital Natives“ die Chance, heutige städtische Probleme in Zukunft auf innovative Weise zu lösen. Die Prinzipien der „Sharing Economy“ erlauben beispielsweise das einfache Teilen von Autos (siehe Sharoo). Belegen heute viele Wagen in der Stadt grosse Parkplatzflächen, benötigen ideal geteilte Autos künftig viel weniger Parkplätze. Die Umsetzung von solchen Diensten wird durch intuitiv bedienbare Smartphone Apps ermöglicht – eingesetzt zum Guten.